Corona und kein Ende, Hessen a la Carte

Das ist hier sicher kein Ort für politische Statements. Aber dennoch, ich habe es so satt. Nun geht schon das zweite Corona-Jahr dem Ende zu und die Zahl der Erkrankten ist hoch, wie eh und je. Und warum? Meiner Meinung nach, weil zu viele Erwachsene egoistisch und ohne wirklichen Grund gleichzeitig die Impfung, aber auch die Vorsichtsmaßnahmen ablehnen. Die Ideen „mein Körper gehört mir“ und „keine Regierung schreibt mir vor, was ich tun und lassen soll“ bei den 15% ungeimpften Erwachsenen (dass sind immerhin 5,5 Mio. Menschen) plus Kinder, für die Eltern meinen das „Impfungen schaden“, führen dazu, dass keine Normalität einkehren kann. Dass gleichzeitig die „Durchseuchung“ (was für ein Wort) der Kinder, von denen nun anderthalb Jahre lang Zurückhaltung bis hin zur Aufgabe sämtlicher Entwicklungsaufgaben verlangt wurde, in Kauf genommen wird, ist nicht zu verstehen.

Ich bekomme einen Groll, wenn ich Leute sehe, deren Masken in einem Laden unter der Nase hängen, während ich in der Philharmonie zwei Std. lang unter der FFP2 Maske schwitze. Und die Lautstärke der Impfgegner ebenso wie die der Gegner aller Einschränkungen (FDP allen voran) verzögert nicht nur radikalere, wirksamere und vor allem schnellere Reaktionen auf die Pandemielage. Unsere Zögerlichkeit verschlechtert nicht nur die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Sie lenkt uns davon ab, dass die Pandemie erst aus der Welt ist, wenn alle Welt impfen kann. Und sie hält uns davon ab, uns dem noch dringlicheren Problem des Klimawandels in der gebotenen Intensität zuzuwenden, die nötig ist, um überhaupt noch etwas zu retten.

Längst hat sich eine Community der Impfgegner formiert, die Echoblasen funktionieren bestens. Und die etablierte Pressegemeinschaft erweitert die Reichweite noch. Eine Frau Wagenknecht verdient super daran, sich als Impfgegner in allen möglichen Talkshows zu präsentieren, mit dem absurden Argument, die milliardenfach verabreichten Impfstoffe seien ihr nicht sicher genug. Sie möchte auf einen Totimpfstoff warten, der aber natürlich von der EMA zugelassen ist. Deren Zulassung für die Vektor- oder mRNA- Impfstoffe bezweifelt sie aber als unausgegoren. Das gibt ihr noch viel Zeit, Kohle einzusacken. Schließlich haben Länder, die Totimpfstoffe entwickelt haben, zuviel eigenen Bedarf, als dass ihnen daran gelegen ist, den Aufwand für eine europäische Zulassung zu beantragen, in Konkurrenz zu Biontec etc. Außerdem kann sie dann in jeder Sendung gegen den Abbau des deutschen Gesundheitssystem wettern und vergessen machen, das knappe Ressourcen dort doch kein Freibrief sind, sich wegen eigener Fahrlässigkeit, Schussligkeit oder egoistischer Abneigung gegen „Fremdbestimmung“ anzustecken und das System selbstverständlich mit zu belasten.

Also, das Virus ist noch nicht aus der Welt. Es mutiert weiter, hat sein Potential den Menschen zu schaden noch lange nicht ausgeschöpft. Währenddessen schränken sich auch die Geimpften ein. Maske tragen ist da noch das geringste Übel. Wir wissen, dass die Impfung nicht hundertprozentig schützt, dass die Immunreaktion mit der Zeit nachlässt, dass Vorerkrankte oder sehr Alte ohnehin ein wenig aktives Immunsystem haben. Also müssen wir weiter „auf uns aufpassen“. d.h. weiter einschränken, Abstand halten, auf Gewohnheiten und Aktivitäten verzichten.

Für uns heißt das vor allem, wir können unsere Reiselust nicht ausleben. Und einfach in großer Gemeinschaft feiern, fühlt sich auch nicht gut an.

Also schwelgen wir mal wieder in der Vergangenheit. Schauen wir uns unsere vergangenen Feste an.

Ziemlich zu Beginn meiner Nutzung dieser Website 2017 habe ich unser Fest in 2007 als Beispiel dafür vorgestellt, wie so etwas abläuft. Nun möchte ich die Rezepte ergänzen und gleichzeitig zeigen, wie ich zu der Menüplanung komme. Schließlich bin ich kein ausgebildeter Koch. Ich kenne auch nicht alle Gerichte aller Herren Länder. Ich brauche also Inspiration, manchmal das Grundgerüst von Rezepten oder die Idee zu einem Thema für das Buffet.

Ich lese Kochbücher, vor allem den Teil, in dem es um Zubereitungsprinzipien geht, Den Rezeptteil finde ich weniger interessant. Ich lese gelegentlich Food-Zeitschriften, ich sehe Kochsendungen oder Sendungen über kulinarische Reisen im Fernsehen. Und wenn etwas fehlt oder nicht passt, ändere ich die Rezepte, schreibe neue oder ergänze, was meiner Meinung nach fehlt. Deshalb folgen hier nun Fotos der Rezeptseiten, die ich meinen Mitköchen 2007 zur Verfügung gestellt habe. Ich füge noch ein paar Erklärungen hinzu, und in einigen Fällen die Nachweise zum Urheber. Ich bekenne mich offen dazu, nicht alles selbst zu erfinden. Aber nun kopiere ich Buch- oder Zeitschriftenseiten, und da soll der Autor nicht verschwiegen werden.

Es hat lange gedauert und mehrfache Bitten unserer Freunde gebraucht, bis ich die Küche unserer Wahlheimat zum Thema eines Festes herangezogen habe. Die hessische Küche gilt als ärmlich, wenig abwechslungsreich, und die Gerichte bestünden einfach im Zusammenschmeißen gerade vorhandener Lebensmittel. Die Gastronomie im Umkreis von Gießen belehrte uns nicht eines Besseren. auch die Befragung einheimischer Freundinnen ergab keine Korrektur. Unsere Mitarbeiter nun fanden unser alljährliches Weihnachtsessen dann gelungen, wenn es drei Sorten Braten gab. Fündig wurde ich im Regionalfernsehen. Zufällig geriet ich in die Sendereihe hessen 3 unterwegs. Und dort wurde auf eine Buchreihe „Hessen a la Carte“ (Michaele Scherenberg, Karl-Heinz Stier, Hessen a la Carte 1-4, Eichborn, 1999) verwiesen. Nun hatte ich einen Grundstock, der nach ausgiebiger Recherche in meiner Zeitschriftensammlung ausgebaut werden konnte.

Eines allerdings kann man den Hessen nicht absprechen, die Würste sind toll, und sie können backen. Heute noch halten viele Dörfer ein öffentliches altes Backhaus in Betrieb, oft betreut von den örtlichen Heimatvereinen. Dort backen die Dorffrauen seit jeher ihr Brot und zum Abschluss salzigen oder süßen Blechkuchen. Sie bereiten Roggen-Sauerteig vor, belebt durch eine Teigprobe des letzten Backtages. Der Teig ruht in Bastkörben, bevor er zum Backen herausgehoben wird. Das sogenannte „Ausgehobene“ schmeckt auch einige Tage nach dem Backen noch bestens.

Hier ist nun noch einmal das Menü:

Abgesehen von der Spargelsülze sind die ersten Gerichte nichts, was eine hessiche Hausfrau oder Hausmann als Spezialität der Region bezeichnen würde. Fettebrote sind einfach mit Schmalz bestrichene Roggenbrotscheiben. (Wer Schmalz selbst kochen will, schau bei den Rezepten für die Berliner Kneipe). Spundekäs steht auf vielen Abendbrottischen und Matschko ist unter dem Namen gar nicht sehr bekannt, obwohl es häufig einfach so nebenbei angerührt wird. Die Zutaten nimmt man beim Einkauf routinemäßig mit, und wenn der Bäcker Schmierkuchen hat, ersetzt der beim Abendessen die geplante Suppe oder den Salat. Schmierkuchen ist einfach ein mit saurer Sahne, Quark, Speckwürfeln und manchmal Mohn belegter Roggenbrotteig, gebacken meistens auf dem Blech.

Zur Freude meiner Gäste hatte ich aus den oben erwähnten Büchern die zu den Rezepten erzählten Geschichten mitkopiert.

Beide Aufstriche hatte ich in anderthalbfacher Menge schon zwei Tage vor dem Fest angerührt. Für ein Abendessen zu viert, reicht natürlich ein Rezept, und den Rest gibt es am nächsten Tag. Brot (bereits geschnitten) und Schmierkuchen hatte ich beim Bäcker vorbestellt, Grieben-Schmalz beim Metzger gekauft.

Auch die Spargelsülze hatte ich in der Menge des Rezepts Donnerstag zubereitet. Es ist praktischer, den Spargel nur zu blanchieren und zuvor in Scheiben zu schneiden. Dann kann die Sülze auch einfach in einer attraktiven Glasschüssel serviert werden.

Während man Löwenzahn mittlerweile im Frühjahr auf dem Markt kaufen kann, gibt es Gänseblümchen nur auf der Wiese. Die Bellis, die man im Gartenhandel kaufen kann, eignen sich nicht. Wer mit den Zutaten Probleme hat, mag auch Radicchio oder Chicoree als Ersatz für den Löwenzahn nehmen, und Radieschenscheiben anstelle der Blumen. Das schmeckt zwar nicht ganz genauso, kommt aber nahe. Man nehme auch gern zwei in Scheiben geschnittene gekochte Eier und verwende die zur Dekoration, außerdem nur wenig Zucker in der Vinaigrette. Der Salat muss kurz vor dem Servieren angemischt werden.

Mottesalat ist natürlich robuster. Die Menge des Rezeptes reicht als ein Gericht von vielen auf dem Buffet, die Möhren können am Vortag blanchiert werden und Samstag nur angerichtet.

Wieviel Ochsenbrust man braucht hängt natürlich von der Menge Knochen und Fett ab. Ich hatte ein 3 kg schweres, relativ mageres Stück ohne Knochen gekauft und schon Donnerstag gekocht, von Fett und Knochen befreit und im Sud aufbewahrt. Zum Fest habe ich es dann in Scheiben geschnitten und in dem zuvor aufgekochten Sud erwärmt.

Auch wenn das Rezept verlangt, man solle den Sauerkrautsalat durchziehen lassen, eignet sich die Marinade aus Sahne und der Apfel nicht für die Zubereitung am Vortag. Es ist jedoch ein einfacher Salat, der nicht viel Geschick braucht. Man rührt zuerst die Marinade und gibt darein erst Apfel, dann Rettichscheiben, anschließend Sauerkraut und zum Schluss Schnittlauch. Für die anderthalbfache Menge Gemüse bereite ich die doppelte Menge Marinade zu.

Davon habe ich die doppelte Menge zubereitet und in einer Auflaufform für 45 min. gleichzeitig mit den Backofenkartoffeln im Herd gebacken.

Eine zweite Auflaufform habe ich mit den Backofenkartoffeln gefüllt. Als Beilage zur Ochsenbrust habe ich natürlich das Eisbein in diesem Gericht gestrichen.

Die meisten hier beschriebenen Rezepte sind für 4 Personen gedacht. Da mögen einen die aufgeführten Mengen etwas verwundern. 5 Bund Lauchzwiebeln als Gemüse für 4 Leute? Dazu muss man wissen, dass man in Hessen durchaus üppig isst. Es ist auch nicht unüblich, dass es zu einer Menge Gemüse einfach nur Brot oder ein paar Kartoffeln gibt, oder dass der Rest am nächsten Tag als schnelles Abendessen aufgewärmt wird. Andernorts empfehle ich, die Mengen etwas zu verringern. Für die Zwecke des Buffets für 25 Personen, und bei der Anzahl der zusammengestellten Gerichte taugen die Mengen sehr gut.

Von der Suppe kann man aber ruhig die doppelte Menge zu jeder Zeit kochen, einfrieren und beim Aufwärmen nur noch mit Eigelb und Sahne legieren.

Dippehas ist ein Schmorgericht für Wildhase in Rotwein, das überall etwas anders zubereitet wird. Der Schweinebauch gibt dem mageren Wildfleisch mehr Substanz, gebunden wird die Soße mit Brot. Die Rezepte unterscheiden sich aber darin, ob nun noch etwas Süßes dazukommt, z.B. Trockenpflaumen oder Lebkuchen statt Brot zum Binden. Ich finde, ja, dass unterstreicht das Besondere. Der Brotdeckel aber ist eine Spielerei, die es nicht braucht. Für die Zwecke des Buffets teile ich den Hasen in relativ kleine Portionen, so das viele probieren können. Den Hasen habe ich schon Donnerstag fertig geschmort und zum Fest nur aufgewärmt. Wenn man das Wild nicht frisch bekommt, geht auch gefrorenes.

Grüne Soße zu Pellkartoffeln ist in Hessen zu einem meiner Standardgerichte geworden. Die oben genannte Menge essen wir dann zu dritt. Dabei mische ich die Kräuter lediglich mit saurer Sahne und lasse Öl, Essig, Zitrone und Senf weg. Für das Buffet empfehle ich 2 Bund Kräuter, 10 Eier und 1 l saure Sahne.

Auch Rotweinkuchen, gebacken am Freitag, ist Standard, erfordert doch der einfache Rührteig nicht viel Geschick und die Zutaten sind in den meisten Küchen vorrätig.

Für das Fest habe ich Riesling anstatt Rotwein zum Gelee genommen und Freitag die anderthalbfache Menge zubereitet.

Die beiden Aufläufe habe ich natürlich auch schon am Freitag fertiggestellt. Für die Alltagsküche empfehle ich, sie frisch zu backen. Bei unserem Fest habe ich den Hüter des Backofens gebeten, sie nach den Backofenkartoffeln noch einmal für 10 min. in den warmen Ofen zu stellen.

Beim Kirschenmichel habe ich Haselnüsse ergänzt, die geben dem Auflauf mehr Biss.

Wie war es damals 1983? Berliner Kneipe

Gerade ist ein weiterer unserer besonders langjährigen Freunde gestorben, Klaus Thiele. Er war ein wichtiger Teil unseres Freundeskreises, organisierte die Zugfahrten für alle zu unserem Fest, prägte den Begriff „Lollar-Connection“ und gestaltete zusammen mit Hans Claussen den Ausflug zum HANS-DAY, einem Fest, das irgendwann alljährlich Hans‘ Geburtstagsfeier ersetzen sollte. Klaus sorgte schon sein Jahren für seine zunehmend dementer gewordene Frau Sonja. Dennoch war es ihm ein Anliegen, meinen Mann Wolfgang bei dessen Familien-Chronik zu unterstützen, soweit die Geschichte nach Berlin, Potsdam und Brandenburg führte. Alle paar Wochen organisierte er für uns Ausflüge zu Orten, die mit Wolfgangs Altvorderen in Zusammenhang standen.

Nun sind Klaus uns Sonja im Abstand von nur wenigen Tagen gestorben, Treffen der zurückgebliebenen Freunde standen an und besonders gern wurden die Erinnerungen an die Anfänge unser Jahrzehnte alten Beziehungen hervorgekramt. Für mich begann natürlich alles mit Wolfgang, den ich, damals noch Studentin im Hauptstudium, als Assistenten für Wasserbau bei einer Projektübung das erste Mal traf. Ein Jahr später hatte ich mich als studentischer Mitarbeiter am Institut für Wasserbau beworben, und es war Wolfgang zu verdanken, dass in dieser wissenschaftlichen Männerdomäne nun erstmals eine Frau angestellt wurde. Und wieder ein Jahr später, ich hatte gerade eine langjährige Beziehung beendet, begann die anfangs durchaus wechselhafte Beziehung zwischen Wolfgang und mir. Das war April 1979, ich war 23 und Wolfgang 35, und nun dauert unsere gemeinsame Geschichte schon 42 Jahre.

Wolfgang war aktiv in der Hochschulpolitik der TU Berlin und gehörte der linken Fraktion an. Die fand sich allwöchentlich zum sogenannten Montagskreis zusammen, einer Verbindung fortschrittlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter, die Funktionen in allen möglichen universitären Entscheidungs-Gremien wie Akademischer Senat und Kuratorium, hatten. Aus diesem Kreis rekrutierte sich ein großer Teil von Wolfgangs Freunden. Dazu kamen alle seine ehemaligen Beziehungspartnerinnen, hatte Wolfgang doch die Gabe, mit ihnen liebevolle freundschaftliche Beziehungen zu bewahren, und einige Kollegen aus dem Institut für Wasserbau. Ich wurde von allen nett aufgenommen, hatte anfangs als Studentin aber natürlich keinen Zugang zum Politzirkel der wissenschaftlichen Mitarbeiter. Das kam erst 1981, als ich selber Assistent beim Institut für Kerntechnik der TU Berlin wurde.

Das erste von mir veranstaltete Fest im Hessischen war 1983, noch in Lich-Eberstadt. Zuvor hatte ich lediglich ein Fest in meiner Berliner Wohnung veranstaltet, anlässlich meines 21. Geburtstages, unter dem Motto „Jeder bringt was zu essen mit, Bier gibt es von mir“. Erfahrung im Fest-Ausrichten hatte ich also nicht. Aber es war klar, dass von auswärts anreisende Leute keine Lebensmittel transportieren würden. Außerdem hatte ich nicht wirklich Einfluss auf die Namen und die Anzahl der eingeladenen Gäste. Die Berliner Freunde organisierten sich selbst. Wolfgang arbeitete in Gießen viel, lud ein, wen immer er zufällig traf, und vergaß in der Regel, mir davon zu erzählen. Sein Bruder Dietz nahm sich die Freiheit, ebenfalls ein paar seiner Freunde und Kumpel aus dem Dorf dazu zu bitten. Und ich wohnte und arbeitete in Berlin und bekam nichts mit. Ich hatte es also mit einem etwas erweiterten Sixpack aus Berlin zu tun, das bereits Freitag eintreffen würde, und mit einer unbekannten Anzahl Personen am Samstag. Das erforderte größere Mengen Essen, das einige Stunden genießbar sein musste und – um Himmels willen – genug alkoholische Getränke.

Ich rechnete also mit 15 -30 Teilnehmern an der Fete am Samstag, es wurden dann etwas über 20, alle in Wolfgangs Wohnung auf dem Dach. Ich hatte also wenig Zeit und viel vorzubereiten, obwohl ich bereits eine Woche vor dem Fest anreiste. Schlafen würden unsere Freunde von außerhalb, wie im Jahr zuvor, im Gasthof in Eberstadt. Aber die Lebensmittel für Frühstück und das Fest am Samstag mussten beschafft werden. An Getränken war damals vor allem Bier erforderlich und etwas Schnaps, kaum jemand trank Wein, allenfalls ein paar Flaschen italienischer Rotwein mussten bereitstehen. Für das Essen hatte ich geplant, typische Berliner Kneipen- und Fetengerichte zuzubereiten und davon größere Mengen. Ich erinnere mich an folgende Speisen:

Berliner Kartoffelsalat

Prager Schinken

Kräuterquark

Griebenschmalz und Krustenbrot

Tomatensalat

Nudelsalat

Käseplatte, Trauben und sauer eingelegtes Gemüse

Vanillepudding mit Blaubeeren

Rote Grütze mit Vanillesoße

Man sieht, ich habe schon damals nichts von Dosenfutter und schon gar nicht vom Catering gehalten. Die Anzahl der Gerichte und der Aufwand beim Kochen war nicht sehr groß, schließlich musste ich alles allein in der Miniküche erledigen, die zu Wolfgangs Wohnung gehörte. Deshalb folgen hier auch keine großartigen Rezepte sondern eher Hinweise auf die Mengen und die Zubereitung. Aber alles schmeckte gut und nichts blieb übrig. Später nannte ich das Menü dann „Berliner Kneipe“.

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Griebenschmalz

Das Schmalz zu kochen, war sicher der aufwändigste Teil, sorgte aber auch für die Sättigungsbeilage schlechthin und war besonders billig für einen armen Studenten. Damals konnte man noch überall Metzger, in Berlin „Fleischer“ genannt, finden, und bei denen nach grünem, also ungeräuchertem Schweinespeck fragen. Ich kaufte also 2 kg grünen Speck und 500 g geräuchertes Schweinebaufleisch, auch „durchwachsener Speck“ genannt, beides ohne Haut und mit der groben Scheibe durch den Fleischwolf gedreht. Außerdem brauchte ich 4 mittlere Zwiebeln, 2 saure Äpfel, 4 Lorbeerblätter und 20 Wacholderbeeren, etwas Salz. Ich setzte das Fett bei mittlerer Hitze auf den Herd und wartete, bis es geschmolzen war. Maßvoll salzen (etwa ein gestrichener Teelöffel). Dann fügte ich die in Würfel geschnittene Zwiebeln und Äpfel und die Gewürze hinzu und ließ alles noch 20 min braten. Nichts darf verbrennen oder zu dunkel werden. Etwas abkühlen lassen und die Gewürze herausfischen. In eine feuerfeste Schale umfüllen und im Kühlschrank abkühlen, dabei immer mal wieder rühren, damit sich Äpfel, Zwiebeln und Grieben, also die knusprigen Anteile im Schmalz, die aus Bindegeweben und Fleisch entstehen, gut verteilen. Zum Schluss die Gewürze wieder obenauf legen. Solches Schmalz hält sich gut gekühlt einige Wochen und kann deshalb auch einige Tage vor dem Fest zubereitet werden.

Dazu kaufte ich geschnittenes Roggenbrot mit guter Kruste, das auch zum Käse gegessen werden kann.

Rote Grütze mit Vanillesoße

Die Grütze kann man gut ein bis zwei Tage vor dem Fest kochen. Ich nahm an, dass ich 15-20 Portionen brauchen würde. Dazu kaufte ich 2 kg gefrorenes Obst: Himbeeren, Erdbeeren und Kirschen, ein Pfund Zucker und Speisestärke. Ich kochte das Obst ohne zusätzliches Wasser mit anfangs 250g Zucker und probierte. Falls es zu sauer war, dass hängt von der Zusammensetzung der Fruchtmischung ab, fügte ich esslöffelweise Zucker dazu. Gebunden habe ich die Grütze mit Speisestärke, auch hier bestimmt die Zusammensetzung die nötige Menge. Ich fing mit einem Esslöffel Stärke, angerührt in 2 Esslöffel kaltem Wasser. Man merkt sehr schnell, wann die Grütze anfängt zu gelieren und dann ist es auch genug, die Grütze soll halbflüssig sein. Es gibt Leute, die bevorzuge Sago zum Binden, ich aber mag die glibbrigen Klümpchen nicht. Bis zum Fest kalt stellen, vor dem Essen kann die rote Grütze aber ruhig wieder Zimmertemperatur annehmen.

Für die Soße nahm ich einen Liter Milch und Vanillesoßenpulver und bereitete alles Morgen vor dem Fest zu, gut kühlen.

Prager Schinken

Dieser Schinken ist für Berlin sehr typisch. Dafür bestellt man beim Metzger einen gepökelten Schweineschinken mit Schwarte. Gut wäre es, wenn schon der Metzger die Haut rautenförmig einschneidet, denn dazu braucht man sehr scharfe Messer. Zum Garen lege ich den Schinken dann in eine genügend große Kasserole für den Backofen, vorheizen auf 180° Umluft. Die Dauer richtet sich nach dem Gewicht des Schinkens, dazu kann man gern in die Betriebsanleitung des eigenen Backofens schauen und die Garzeit für „Krustenbraten“ nehmen. Für einen 2,5 kg Schinken rechne ich mit 2- 2,5 Stunden. Sollte keine aufgeplusterte Kruste entstehen, übergieße ich den Schinken eine halbe Stunde vor Ablauf der Zeit noch einmal mit etwas Wasser und stelle den Herd auf 200°  hoch. Vor dem Braten bestreiche ich den Schinken mit einer Mischung aus Öl und zerdrücktem Knoblauch, kein Salz, wegen des Pökelns. Zum Essen sollte der Schinken warm sein, die Reste schmecken aber auch sehr gut kalt.

Kräuterquark

Als Soße zu dem Pragerschinken oder auch als Brotaufstrich für die, die keinen Schmalz mögen, ist Kräuterquark prima. Ich würde 1,5 kg Magerquark mit wenig Milch glatt rühren. Die gemischten Kräuter können ruhig aus dem Kühlregal ( 2 Pakete) kommen, eventuell mit einem Bund Schnittlauchröllchen verfeinern. Würzen mit Salz und Fondor, bis zum Abend kalt stellen.

Berliner Kartoffelsalat

Auch diesen Kartoffelsalat lernte ich erstmals in Berlin kennen und, da ich kein Freund von Fertigmayonnaise  bin, auch  lieben, so dass er heute noch zu meinen Standardgerichten gehört. Ich nehme zum Anmachen meine größte Salatschüssel. Da hinein passt Salat aus ca. 3,5 kg Kartoffeln. Diese Menge reicht sicher für 15 Personen. Die Kartoffeln müssen festkochend sein und werden als Pellkartoffeln gegart. Solange die Kartoffeln garen, schäle  und würfele ich 2 Zwiebeln, lasse Speckwürfel aus und brate die Zwiebeln in dem Fett glasig. Falls erforderlich, bzw. der Speck nicht sehr fett ist, nehme ich etwas neutrales Pflanzenöl dazu, Olivenöl schmeckt hier nicht. Ich mische 75 ml Weißweinessig mit ebenso viel Wasser und gieße alles zu den Speckzwiebeln in die Pfanne, um es zu erwärmen. Die fertigen Kartoffeln werden gepellt, in Scheiben geschnitten und mit dem warmen Essiggemisch übergossen. Falls die Flüssigkeit nicht reich kommt mehr Öl hinzu. Mit Salz abschmecken. Zum guten Schluss hacke ich ein Bund Dill und mische es kurz vor dem Servieren unter den fertigen Salat. Der kann ruhig noch etwas warm sein, hält aber auch stundenlang frisch. Nur zu kalt aus dem Kühlschrank wird das Fett im Salat fest und macht alles etwas pappig. Also gegen Mittag zubereiten und in der Küche stehen lassen, ist ok, nur der Dill sollte erst kurz vorm Schluss dazu.

Vanillepudding mit Heidelbeeren

Hier habe ich es mir einfach gemacht. Schon am Tag vor dem Fest habe ich 2 oder 3 Pakete gefrorene Heidelbeeren mit Zucker und Vanillezucker einmal aufgekocht. Ich kochte 2 oder 3 Pakete Oetker Vanillepudding, füllte den Pudding in zwei oder drei Schüsseln und gab die Heidelbeeren darüber. Das ganze konnte über Nacht im Kühlschrank kalt werden. Unter den Heidelbeeren entwickelte der Pudding keine Haut, was mir wichtig war. 2 Schalen Pudding reichen sicher für 15 Personen, wenn es 20 und mehr werden, sollte vielleicht eine dritte Schale her.

Nudelsalat

Die meisten haben Nudelsalat mit Mayonnaise aus dem Glas zubereitet, ich habe lieber aus 1 Eßl Weißwein-Essig, 2 – 3 Eßl Olivenöl, 1 Teel Senf, Salz und Pfeffer eine Vinaigrette in einem leeren Marmeladenglas geschüttelt. Das reicht für 250 g Farfalle, Rigatoni oder andere kurze al dente gekochte Nudeln und im Allgemeinen für 4 Personen. Für ein Fest würde ich trotzdem nicht mehr als die doppelte Menge zubereiten. Erfahrungsgemäß wird Nudelsalat zuletzt gegessen, wenn es noch Alternativen gibt. Die Nudeln können nun mit den unterschiedlichsten Zutaten versetzt werden. Ich schlage vor z.B. gewürfelten Gouda, Fleischwurst, Gewürzgurke, Zwiebel. Oder gewürfelte rote Paprika, halbierte schwarze Oliven ohne Stein, Salamiwürfel, Tomatenwürfel. Die Bestandteile für den Nudelsalat können alle schon am Vortag gekocht, geputzt, gewürfelt oder geschüttelt werden. Kurz vor dem Fest nur noch mischen.

Käseplatte

Darüber ist nicht so viel zu sagen, es reichen 4 mal 500g verschiedene Käse, z.B. in der damaligen Zeit Gouda, Camembert, ein Blauschimmelkäse und ein milder Rotschmierekäse. Den Käse auf einem Brett mit bunten Weintrauben anrichten, eine Platte mit Senfgurken, rote Beete und Perlzwiebeln passt dazu, jeweils nur ein kleines Glas von jeder Sorte.

Tomatensalat

Das ist das am wenigsten haltbare Gericht im ganzen Menü. Früher hat man dazu eine Vinaigrette, ziemlich sauer, mit rohen Zwiebelwürfeln und Tomatenscheiben genommen. Heute würde ich den Rand einer Platte mit Basilikumblätter auslegen und in der Mitte verschiedene geviertelte Tomaten anrichten, rote, gelbe, grüne und schwarze, und darauf achten, dass die Tomaten auch wirklich schmecken. Kurz bevor die Gäste kommen würde ich Pfeffer und Salz darüber mahlen und mit wenig Balsamico und etwas mehr bestem Olivenöl beträufeln.

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Wenn es darum geht, mit wenig Aufwand ein großes Fest kulinarisch zu versorgen, kann eine solche, etwas nostalgische Speisenfolge durchaus geeignet sein. Aber natürlich gibt es Alternativen, die ich gern beschreibe, wenn ich über die neuzeitlichen Feste auf unserer Terrasse erzähle. Jedenfalls begründeten die ersten Feste eine Tradition, die mehr als drei Jahrzehnte lang einen Freundeskreis befestigte, der u.a. dazu führte, dass wir nach Abschluss unseres Arbeitslebens in Giessen nach Berlin zurückzogen, dass auch unsere Tochter Hannah zum Studium nach Berlin ging, dass wir heute noch gern und mehrmals im Jahr Feste mit vielen Personen ausrichten, auch wenn sie nicht mehr mehrtägig sind.

American Multikulti

Nun scheint es doch gelaufen zu sein und wir werden den in Europa so ungeliebten amerikanischen Präsidenten los. Das erinnert mich daran, dass wir natürlich auch ein Fest veranstaltet haben, bei dem auf dem Buffet Speisen aus Amerika aufgetischt wurden.

Obwohl wir mehrmals in den USA gereist waren und selbst beruflich dort viel zu tun hatten, ist es nicht verwunderlich, dass ich zuvor für unsere Feste kein amerikanisches Motto in Betracht gezogen habe. Auf Anhieb fallen wohl niemandem typisch amerikanische Gerichte ein, außer Fastfood Burger, New York Cheesecake und Truthahn, den wir alle aus Filmen kennen, den aber wohl kaum ein Europäer je gegessen hat (schließlich ist das ein Essen für Treffen von Großfamilien). Dabei hatten wir doch oft in den USA sehr gut, wenn auch teuer, gegessen. Was war das bloß? Genau, es gab ausgezeichnete Steaks, aber auch asiatisches und mexikanisches Essen, viel Salat, sehr Süßes und alle möglichen Mischungen, heute modisch fusion kitchen genannt. Und ganz Traditionelles aus der Küche der ursprünglichen italienischen oder irischen Einwanderer hat sich bewährt. Exotische Früchte gehörten oft dazu. In Los Angeles findet man in jedem Garten einen Avocadobaum und auf den Hawaii Inseln fuhren wir kilometerweit durch Ananasfelder. Ich war gespannt, wie diese Mischung bei meinen Gästen ankommen würde.

Und so plante ich 2012 ein Buffet unter dem Titel „American Multikulti“, ein Schlagwort für eine augenfällige Befindlichkeit, die die Amerikaner heute erst wieder als eine ihrer herausragenden Tugenden erkennen müssen.

Auch Wolfgangs Einladung kommentierte ein gerade aktuelle Thema, nämlich den Einfluss von Lobbyisten auf unsere Politik.

Für den Freitagabend hatten 13 Freunde zugesagt, bei uns zu übernachten, für Samstag ca. 35. Angesichts unseres Planes, über kurz oder lang aus Lollar weg und nach Berlin zu ziehen, wollten noch einige Leute mehr am Fest teilnehmen. Am den Freitagabend hatte ich vor, Cesar Salad, Irish Stew und New York Cheese Cake zu servieren.

Für gut 50 Personen das Fest auszurichten, ohne das zu viele Reste bleiben (den Nachgesang in unserem Unternehmen gab es ja nicht mehr), resultierte in noch ausgefeiltere Planung. außerdem hatte ich ja nach dem Verkauf unseres Unternehmens Zeit.

Die Arbeitsliste sah also so aus:

Samstag, eine Woche vor dem Fest – Zutaten für Salsa einkaufen

Montag – Salsa zubereiten

Dienstag – Getränke bestellen,

7 Kisten Licher Pilsener, 0,33l,

3 Kisten Weizenbier alkoholfrei, 1 kiste Colabier,

1 Kiste Radler,

2 Kisten Licher Pilsener alkoholfrei,

1 Kiste Selters,

6 Flaschen O-Saft,

2 Kisten Wasser natur

Kürbissuppe kochen

im Supermarkt einkaufen

Mittwoch im Feinkostladen und beim Metzger einkaufen

Kochen: Käsebällchen, Thymianbutter, Chili

Donnerstag

Tostadasalat, Irish Stew, kochen

Cheesecake backen

Freitag Vorbereiten Kohlsalat

California Rolls#Spargel

Hähnchensalat

Cesarsalat

Himbeertarte

Okraschoten

Samstag

Avocado Salat

Garnelen

Grapefruit Salat

Steak,

Anrichten

Das war dann das komplette Menü:

Bevor ich nun aber in die Rezepte einsteige, möchte ich doch erklären, wie das mit perfekten Steaks für eine so große Gruppe mitten im Winter, also ohne Grill, funktionieren kann. Außerdem bin ich gar kein Freund vom Grill und erkläre Euch gern unsere liebste Art, supertolles Fleisch zu genießen, zubereitet ohne Stress auch nach einem Arbeitstag. Dann würden wir dazu nur ein paar aufgeschnittene Tomaten und Kartoffelgratin essen.

Das wichtigste ist natürlich das Fleisch. Es muss nicht Koberind oder die deutsche Variante Wagu sein. Aber der Metzger eures Vertrauens sollte gut abgehangenes Rindfleisch am Stück haben. Das kann ruhig eingeschweißt sein. Ich nehme am liebsten Charolais- Entrecote oder Ribeye von z.B. irischen Rindern. Wichtig ist, das es von Fleischrindern kommt und nicht von Milchvieh. Unterhaltet euch darüber einmal mit eurem Metzger.

Von dem Stück Fleisch, das gut marmoriert mit Fett sein sollte, lasse ich mir ca. 7-8 cm dicke Stücke abschneiden, keinesfalls dünner. So ein Stück wiegt dann 700-800 g und reicht gut für 3 Personen zum Abendessen. Zum Anlass unseres Festes mit knapp 40 Gästen, von denen manche vielleicht kein knapp gegartes rotes Fleisch essen, und als Bestandteil einer langen Speisefolge reichen 4 dieser Stücke, also etwas über 3 Kg. Das rohe Fleisch hält sich einige Tage im Kühlschrank, wenn es luftdicht in Folie eingezogen ist auch eine Woche ohne Qualitätsverlust.

Gern nehme ich das Fleisch eine Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank, wasche und trockne es und lasse es Zimmertemperatur annehmen. Ca. 45 min vor dem Servieren, heize ich den Backofen auf ca. 120 Grad Umluft vor. Ich brate die trockenen ungesalzenen Fleischstücke sehr heiß in einer Pfanne ohne Kunststoffgriffe von beiden Seiten in Pflanzenöl oder Butterschmalz auf dem Herd an und stelle es dann in der Pfanne in den Backofen. Wenn die Pfanne nicht groß genug für alle Fleischstücke ist, muss man umladen und gibt das nach und nach angebratene Fleisch in eine flache Kasserole. Das Bratfett schüttet man zum Schluss darüber. Im Backofen kann es dann 35 min oder auch etwas länger garen. 5 oder 15 min mehr macht bei der Temperatur von 120 Grad keinen so großen Unterschied. Ich lasse das Fleisch im ausgeschalteten geöffneten Backofen kurz ruhen, im Alltag z.B. während ich die Beilagen auf den Tellern anrichte. Das Fleisch wird von einer Schmalseite aus etwas schräg in dünne Scheiben geschnitten und im noch heißen Bratfett serviert. Gesalzen wird das Fleisch vor dem Essen nach Geschmack mit Fleur de Sel.

Bei einem Fest wird übrigens nur das Büffet mit kalten Speisen angerichtet, alle heißen Gerichte werden bei uns auf bereitgestelltem Geschirr mit Besteck direkt in der Küche verteilt. Oft genug wird so ein Teller oder eine Suppenschale von Hand zu Hand bis zum weitest entfernten hungrigen Partygast weitergereicht, entweder bis alle, die mögen etwas haben, oder das Gericht aufgegessen ist. Hüter des Backofens ist bei unsere Festen oft unser Freund Hasso, der darüber wacht, dass niemand versehentlich die Temperatur verstellt. Hasso hatte dieses Mal auch das Fleisch angebraten und in den Ofen geschoben, während die anderen Männer die Küche aufräumten und wir Ladies uns um halb acht ins Badezimmer verzogen und aufhübschten. So war das Fleisch ca. halb 9 perfekt.

Und hier folgen nun die übrigen Rezepte:

Tostada mit Mais und Bohnen

1 Packung kleine Tostadas

1 Zwiebel

150g Gemüsemais

4 Tomaten

250g Kidneybohnen aus der dose

1 kleiner Bund Petersilie

½ kleiner Eisbergsalat

3 El Olivenöl

100 g gekochter Vollkornreis

1 Tl mildes Chilipulver

1 Tl getr. Oregano

¼ Tl Salz

100g Salsa

100g Schnittkäse

In einer Pfanne im Olivenöl die gewürfelte Zwiebel und eine gewürfelte Tomate, abgetropfte Bohnen und Mais, sowie den Reis 5 Minuten braten, mit Chili, Salz und Oregano würzen,  lauwarm abkühlen lassen. Salat in Streifen, Petersilie gehackt, Tomaten gewürfelt, Käse in Stifte geschnitten kurz vor dem Servieren mit dem gebratenen Gemüse und Tomaten-Salsa mischen und Tostadas füllen. Die Menge reicht für 4 Personen als kleine Hauptmahlzeit.

Tomatensalsa

150g gehäutete entkernte Tomaten

2 gewürfelte Frühlingszwiebeln

1 kleine gewürfelte Chilischote

100g gewürfelte milde Pimientos

2 zerdückte noblauchzehen

2 El Essig,

4 El Olivenöl

Salz, Pfeffer

Alles mischen, den Rest aufbewahren oder zum Fleisch servieren

Okraschoten

1 kg Okraschoten

8 Orangen

100 g geriebener Ingwer

3 El weiche Butter

200 g Cashewkerne,

Salz

Muskatnuss

An den Schoten die Stiele etwas kürzen, Schoten in kochendem Salz-Wasser blanchieren und mit kaltem Wasser abschrecken.

Orangen schälen und filetieren, die weiße Haut muss weg, Saft auffangen. Eine Auflaufform buttern, Orangenfilets, Ingwer und Okra einschichten, mit Salz und Muskat würzen, O-Saft, Kerne und Butterflöckchen darüber. Im vorgeheizten Backofen bei 160 Grad Umluft 18 min garen. Warm servieren. Die Hälfte reicht als Gemüse oder Zwischengericht für 4 Personen. Okras und Orangen können am Vortag vorbereitet werden und zum Fest in den Ofen.

Hähnchensalat mit Sesam

200g Hähnchenbrustfilet

150g Champignons

500g Fenchel

150g Salatgurke

100g Möhren

4 Stängel Minze

3 El geröstete Erdnüsse

Dressing

2 Frühlingszwiebeln

1 Peperoni

100 ml milder Reisessig

1 Tl Senf

6 El Rapsöl

4 El Sesamöl

2-3 El Sojasauce

Salz, Pfeffer Zucker

Zwiebel und Peperoni fein würfeln, Dressing im Shaker mixen. Hähnchen mit Pilzscheiben in einer Auflaufform mit etwas Dressing bei 180 Grad im Ofen(vorgeheizt) 20 min braten. Fenchel in feine Scheiben, Gurke in kleine Würfel schneiden, Möhre raspeln, Minze hacken. Abgekühlte Hähnchen in deine Scheiben schneiden. Alles auf einem Teller anrichten, mit Dressing beträufeln, nachwürzen, mit Erdnüssen bestreuen.

Das Rezept reicht mit Brot auch für 4 Personen zum Abendessen.

Grapefruit-Dattelsalat

8 Grapefruit

20 weiche Datteln

250g Ziegenfrischkäse (etwa so fest wie Schafskäse, ersatzweise Schafskäse)

2 Eßl Apfelessig

2 Tl Honig

4 El Nussöl

etwas Salz, etwas Muskatnuss

Grapefruit filetieren, die Schale muss ganz weg sein

Datteln entkernen und fein würfeln, Käse nicht zu fein zerbröseln, aus dem Rest eine Marinade rühren, mischen. Ein Viertel reicht für einen normalen Nachtisch für 4 Personen.

Käsebällchen

300 g geraspelter Gouda

50g Butter

150g Frischkäse

50 g geriebener Parmesan

120g gehackte Haselnüsse

Haselnüsse rösten, den Rest mischen und kleine Bällchen formen, in den Nüssen wälzen. Mit Crackern als Snack zum Bier geeignet.

Mangosalsa und Paprikasalsa

2 reife Mango

2 grüne Paprika

4 mittlere Zwiebeln

2 milde grüne Chilis (Pimientos)

2 milde rote Chilischoten

1 großes Glas geschälte Tomaten

Salz

½ Tl Zucker

2 Tl Senfmehl

2 El Weißweinessig

Mango und 2 Zwiebeln schälen, mit der Hälfte der Tomaten und rotem Chili würfeln, mit der Hälfte der Essiggewürzflüssigkeit mischen

Ebenso mit den gewürfelten Paprika und dem grünen Chili verfahren, gern einige Stunden ziehen lassen. Für ein 4 Personenabendessen, als Sauce zum Steak reicht die Hälfte einer Sorte.

California Rolls

250g Sushi-Reis

6 El Reisessig

1 EL Zucker

1 gestr. Tl Salz

1 Salatgurke, in Streifen geschnitten

2 reife Avocados

Saft von ½ Zitrone

150g Surimi oder Krebsfleisch

5 getrocknete Noriblätter

5 El geröstete Sesamsamen

Wasabi

Sojasauce

eingelegter Ingwer

Man braucht eine Bambus-Sushimatte, um die Sushi fest zu rollen und etwas Übung. Ich mag Sushi nur dünn mit wenig Reis. Die Rollen haben dann einen Durchmesser von weniger als 3 cm.

Reis nach Anweisung kochen, Essig mit Salz und Zucker aufkochen, mischen, abkühlen.

Ein Stück Frischhaltefolie auslegen, ein Noriblatt darauf, dünn mit Reis bedecken, mit Frischhaltefolie bedecken, dann die Bambusmatte darauf. Alles auf die Bambusmatte umdrehen. Die Frischhaltefolie auf dem Noriblatt abziehen, am kurzen Rand einen Streifen Gurke und Krebsfleisch legen, mit Hilfe der Bambusmatte aufrollen, die Frischhaltefolie auf dem Reis dabei zurücklassen. Auf diese Weise liegt außen eine Schicht Reis. In Sesam wälzen, kühlen, vor dem Servieren mit Wasabi, Sojasauce und Ingwer in 1 cm breite Stücke schneiden.

Es lohnt sich wirklich nicht, Sushi in kleinerer Menge zuzubereiten, die Menge reicht als Vorspeise sicher für 6 Personen. Mit Sashimi, also Scheiben von bestem frischen rohen Fisch und einer geeigneten Suppe wird daraus ein tolles Abendessen mit Freunden.

Marinierter grüner Spargel

2 kg grüner Spargel

4 cm frischer Ingwer

4 Knoblauchzehen

2 El Butter

10 El helle Sojasauce

10 El Reisessig

2 El Ahornsirup oder Honig

6 El Sonnenblumenöl

grober schwarzer Pfeffer asus der Mühle

2 El geröstete Sesamsamen

Spargel nur im unteren Drittel schälen, in zwei cm lange Stücke schneiden, Ingwer reiben, Knoblauch pressen. Spargel, Knoblauch und Ingwer in Butter 7 min dünsten. Aus dem Rest eine Vinaigrette rühren, mischen, lauwarm essen. Als Beilage für 4 Personen reicht die Hälfte.

Irish Stew

10 Zwiebeln

5 El Sonnenblumenöl

5 kg Lammragout

5 Tl frischer Thymian, Salz, Pfeffer

24 Kartoffeln

Etwa 1/2 l Fleischbrühe

Worcestersauce

20 Karotten

125g Gerstengraupen

Für diese Menge braucht man einen großen Bräter, der auch in den Backofen passt

Zwiebeln schälen und Würfeln, Fleisch in Portionen hell anbraten, Zwiebeln dazu, ein Drittel der Kartoffeln in dünne Scheiben schneiden und dazutun. Mit Brühe ablöschen. Thymian und Gewürze und die übrigen geschälten, halbierten Kartoffeln dazu. Für ausreichend Flüssigkeit sorgen. Bei 160 Grad Umluft eine Stunde im Ofen garen. Karotten schälen und in Scheiben schneiden und nach einer Stunde mit der Gerste zum Eintopf geben, Flüssigkeit kontrollieren. Weitere 45 min garen. Es kommt nicht so auf eine Viertelstunde an. Vor dem Servieren eventuell entfetten. Man kann das Stew sehr gut über Nacht stehen lasse und vor dem Erwärmen das Fett abheben.

Diese Menge ist für ca. 15 Personen gedacht. Sie bekommen noch einen Cesarsalad davor und Cheesecake danach. Unsere Freunde essen gern und auch die Freundinnen picken nicht wie die Vögelchen Miniportionen. Also für 4 Erwachsene reicht ungefähr ein Viertel bis ein Drittel der Menge.

Cesarsalad

6 Romanasalatherzen

½ Eisbersalat

8 Toastbrotscheiben

1 El Essig

6 El Olivenöl

3 Knoblauchzehen

½ Zwiebel in feinen Streifen

12 Sardellenfilets in Öl oder Tunke

120g Parmesan, gehobelt

Salat in Streifen schneiden

Toastbrot würfeln in wenig Öl anrösten

Knoblauch pressen, Essig, Öl und Sauce zu einer Vinaigrette rühren, eventuell salzen, mit dem Salat mischen, anrichten, mit Brot, Sardellen und Parmesan garnieren. Eventuell warmes Ciabatta dazu. Ein Drittel reicht als Beilage für 4 Personen, z.B. mit 3 Salatherzen oder ½ Eisbergsalat.

Scharfer Kohlsalat mit Ananas

3 Chilischoten, nicht zu scharf

3 El Mayonnaise

2 El saure Sahne

1,5 El Senf

4 El Zitronensaft

1 knapper Tl Salz oder weniger

900 g Weißkohl

1 kleine Ananas

4 Frühlingszwiebeln

Ananas schälen, Strunk entfernen, in Stücke schneiden. Weißkohl in der Küchenmaschine hobeln. Frühlingszwiebeln vor dem Anrichten in Scheiben schneiden und oben auf streuen. Aus dem Rest eine Salatsauce rühren, mischen.

Die Hälfte reicht für 4 als Beilage.

Guacamole- Avocadosalat

Guacamole ist eigentlich kein Salat sondern eher ein Dip, der bestens zu Nachos oder Cracker passt. Ich esse gern Eierpfannkuchen mit Zucker. Wer das süße Zeug aber nicht mag, bekommt in die Eierkuchen Zwiebeln, Tomaten und Käse eingebacken und z.B. Guacamole dazu.

8 reife Avocados

4 Tomaten

wenig Chilipulver

1 kleine Zwiebel

1 Bund Petersilie

Salz, Pfeffer, Zitronensaft

Tomaten abziehen und Zwiebeln schälen, beides fein würfeln. Avocado schälen und in Stücken mit der Gabel zerquetschen. Dazu müssen sie wirklich reif sein. Petersilie hacken, alles mischen und mit ein wenig Zitrone uns Gewürzen abschmecken.

Als Dip zu Nachos reicht meistens eine Avocado für zwei Personen. In Costa Rica war unser bevorzugtes Mittagessen übrigens ein großer Teller mit einem Haufen Maischips, darüber geraspelter Cheddarkäse, im Ofen überbacken. Rundherum lagen Tomaten und Gurkensalat und es gab eine große Schale Guacamole und eine mit Tomatensalsa dazu.

Chili Wontons

1000 g Rinderhackfleisch

2 Zwiebeln

4 Knoblauchzehen

8 milde Chilischoten

4 El Öl

1600 g geschälte Tomaten im Glas,

200 ml Fleischbrühe 900 g Kidneybohnen (Dose)

Gemahlener Koriander, Kreuzkümmel, Pfeffer, Salz

etwa 30 Reispapierblätter

ein Bund Schnittlauch

Zwiebeln und Knoblauch schälen, mit Chili würfeln, Fleisch in Öl anbraten, mit Mehr bestäuben. Zwiebeln und Knoblauch dazu, ablöschen mit nur wenig Brühe, geschälte Tomaten in den Topf. Leicht würzen und 50 min schmoren. Kidneybohnen dazu und noch einmal 10 Min. schmoren. Zum Schluß soll nur wenig Flüssigkeit übrig sein. Abkühlen lassen.

Reispapierblätter in feuchten sauberen Tüchern einweichen, halbieren. Jeweils 1 Teelöffel Chili einwickeln, mit Schnittlauch zubinden.

Man kann sie kalt essen oder auch aufgewärmt in Brühe. Und natürlich schmeckt das Chili auch ohne Reispapier. Als warme Mahlzeit reicht die Hälfte de Chilis mit Brot, Reis oder Polenta.

Kürbissuppe mit Ingwer und Garnelen

1 Suppengrün ohne Petersilie

6 El Butter

4 El geriebener Ingwer

6 Knoblauchzehen

2 kg Butternutkürbis oder Hokaido

2 l Hühnerbrühe

Muskatnuss, Salz, Pfeffer

1 Stange Zimt

500 ml Sahne

Ca. 30 geschälte und entdarmte Garnelen

Suppengrün putzen, würfeln in Butter anschwitzen, Kürbis schälen, entkernen, in Stücke teilen und zum Suppengemüse geben. Die Hälfte des geriebenen Ingwers und 4 zerquetschte Knoblauchzehen dazu. Mit Hühnerbrühe ablöschen, würzen und mit der Zimtstange 30 min kochen. Ca. 1/3 der Sahne dazu geben, aufkochen und pürieren.

Restlichen Ingwer in 25 ml Wasser aufkochen, 10 min ziehen lassen. Ingwerwasser mit der restlichen Sahne und etwas Salz in den Sahnesyphon füllen. Aufgeschäumte Sahn mit den kurz in Butter, Salz und Knoblauch gebratenen Garnelen zur Suppe reichen.

Die Suppe kann wunderbar vorbereitet, eingefroren und erst vor dem Servieren mit Sahne verfeinert werden. Für 4 Personen reicht etwa ein Drittel der Menge.

Cheesecake

Für den Boden

100g gehackte Pekan- oder Walnüsse,

200g Vollkorn Butterkekse,

125 geschmolzene Butter

Füllung

4 mittlere Eier

1 El Mehl

200 g Zucker

350 g Doppelrahmfrischkäse

300g saure Sahne

1 Zitrone

Schale von 1 Orange

1 Tl Vanilleextrakt

Prise Salz

Topping

200g Schmand

1/2Tl Vanilleextrakt

40g Puderzucker

1kl Dose Mandarinen

Nüsse rösten und mit den Keksen in einer Plastiktüte zerstoßen/zerbröseln, mit der Butter mischen und fest in den Boden einer Springform drücken, 1 Std. kaltstellen.

Backofen auf 140 ° Umluft vorheizen

Eiweiß zu Schnee schlagen, Eigelb mit den restlichen Zutaten cremig rühren, Eischnee unterheben, in die Backform füllen.

Eine Stunde backen

Den Kuchen am Rand von der Backform lösen, einige Stunden kühlen und dann aus der Backform nehmen.

Sahne, Zucker und Vanille glat rühren, den Kuchen damit überziehen und mit Obst verzieren, kühlen bis zum Servieren.

Himbeer-Tarte

200g Oreo Kekse

50 g Macadamianüsse

30g geschmolzene Butter

150g Himbeeren

450g weiße Kuvertüre

160g Sahne

70 g Butter

180g Bitterschokolade

240g Sahne

30g Butter

30ml Honig

evtl. etwas Zimt

Das ist eine der Torten, die in den USA „rich“ genannt wird mit viel Schokolade und Sahne. Die angebotenen Stücke können also klein sein. Man füllt eine Tarteform mit 25 cm Durchmesser. Hat die Tarteform 28 cm Durchmesser braucht man 1/3 mehr Zutaten und bei 30 cm knapp die Hälfte mehr.

Backofen auf 180° Ober- und Unterhitze vorheizen. Kekse zerbröseln, Nüsse hacken, anrösten und abkühlen, mit der Butter. In die Tarteform drücken und auf der untersten Schiene im Backofen 7 min backen. Auskühlen in der Form.

Gewaschene Himbeeren auf dem Boden verteilen. Weiße Schokolade im Wasserbad schmelzen. Sahne mit Butter in einem Topf erhitzen und in die Schokolade rühren. Die Creme über die Himbeeren geben und 3 Std. im Kühlschrank kühlen.

Bitterschokolade für die Sauce im Wasserbad schmelzen, restliche Zutaten aufkochen und in die Schokolade rühren, warm zum kalten Kuchen servieren.

Fifties

Die Planung zum Fest anlässlich meines 50sten Geburtstages hat mir wirklich Spaß gemacht. Wie immer bei meinen runden Geburtstagen, sollte es um den 25.2. herum stattfinden. 50 Jahre alt zu werden ist schon ein Einschnitt. Unwillkürlich stellt man sich die Frage:“Werde ich jetzt alt?“, so fühlte ich mich nicht. Andererseits führte uns Wolfgangs Alter zum Nachdenken darüber, wie wir mit unserer Firma umgehen sollten, wenn wir nicht mehr arbeiten wollen/können. Und solche Überlegungen zeugen nun zweifellos von fortgeschrittenem Lebensweg.

Nun aber erstmal zur Party.

Schnell war angesichts meines Geburtsjahres klar, das es beim Motto um die fünfziger Jahre gehen sollte. Damals wie heute galt das als ein besonderes Jahrzehnt, die furchbaren Nachkriegsjahre waren vorbei, jeder wusste einigermaßen wieder, wo es langgehen musste, selbst die letzten Kriegsgefangenen kehrten zurück, es war Wirtschaftswunderzeit. Der Wohlstandsbauch war sichtbarer Ausdruck dafür, dass es den Menschen besser ging, aber auch dafür, dass der Hunger einige Jahre zuvor nicht vergessen war. Essen und Trinken war wichtig, man traute sich wieder Feste zu feiern, etwas zögerlich noch, am Besten in der Familie oder im engen Freundeskreis zu Hause. Und es war die Zeit, in der die in den letzten Kriegsjahren selbstständig gewordenen Frauen zurück in die Enge der Familie mussten, zurück an den Herd und die Windeln. Das schilderte sehr anschaulich ein Kochbuch meiner Mutter aus dieser Zeit, das die empfohlenen Verhaltensweisen für die treusorgende Hausfrau drastisch und nachdrücklich fordernd schilderte. Viele Anweisungen sind so skurril, dass ich sie zur Belustigung meiner Gäste ausdruckte und an die Wände hängte. Ich möchte Euch die ausgewählten Texte nicht vorenthalten.

Die Einladung hatten Wolfgang und ich diese Mal gemeinsam verfasst und natürlich auf meinen besonderen Geburtstag verwiesen.

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Wegen des besonderen Anlasses hatte ich einige Freunde mehr als sonst eingeladen. 16 Gäste hatten für das ganze Wochenende zugesagt, 25 für die Fete am Samstagabend. Es galt also wieder, ein Buffet für 40-45 Personen zu präsentieren und das im Stil der 1950iger Jahre. Ideen für Gerichte waren schnell gefunden, Mettigel, Fliegenpilztomaten, Käsehäppchen, russische Eier, Kompott aus der Dose usw. Aber bei der Vorstellung, mit den damals üblichen Fertigprodukten und Konserven zu kochen, wollte sich so gar kein Appetit einstellen. Und die Rezeptbücher aus der Zeit ließen auch keine genüssliche Vorfreude aufkommen. Damals waren eben selbst Dosenspargel eine Delikatesse.

Aber schließlich kann ich ja kochen. Und so fing ich an, mir zu den typischen 50iger Jahre Gerichten Zubereitungen auszudenken, die dem heutigen Geschmack entsprechen. Probekochen musste ich dazu nicht, aber natürlich alle Rezepte neu verfassen. Schließlich kam folgende Speisenfolge zusammen:

Es wurde ein grandioses Buffet mit vielen Überraschungen und unerwarteten Entdeckungen.

Natürlich kann man die meisten Gerichte kurzfristig zum baldigen Verzehr herstellen. Um alles in großer Menge zum Fest bereit zu haben, bereitete ich alles so frühzeitig vor, wie es ging. Wieder hatte ich nur am Freitagvormittag unsere Haushälterin zur Hilfe und Samstagabend von 18.00 bis 19.30 Uhr die übliche gut gelaunte und wild drauf loskochende Küchenbrigade, in Schwung gehalten durch das ein oder andere Glas Sekt.

Der Zeitplan fürs Kochen sah so aus:

Irgendwann

  • Ochsenschwanzsuppe kochen und einfrieren

Donnerstag

  • Pfefferpotthast kochen, das hatte ich als Abendessen für die Hausgäste am Freitag vorgesehen, Pellkartoffeln, Gewürzgurken, Silberzwiebeln, eingelegte Rote Bete und einen grünen Salat dazu servieren.
  • Rehrücken braten und kühlen
  • Tutti Frutti zubereiten
  • Rumkugeln zubereiten

Freitag

  • Schinkenröllchen zubereiten
  • Creme für die Tomatenkörbchen anrühren
  • Gemüse putzen für die Paprikaecken
  • Zutaten für den Toast Hawaii (mit Ausnahme des Brotes) verwendungsfähig vorbereiten
  • Zutaten für die Cocktailspieße vorbereiten
  • Rehrücken aufschneiden und anrichten
  • Doppeldecker zubereiten, kühlen
  • Teufelssalat zubereiten
  • Zutaten für das Heringshäckerle würfeln
  • Eier für die gefüllten Eier kochen und pellen

Samstag

  • Tomatenkörbchen fertigstellen
  • Paprikaecken fertigstellen
  • Heringshäckerle fertigstellen
  • Bohnensalat zubereiten
  • Schillerlocken zubereiten
  • Käsebrote zubereiten
  • gefüllte Eier fertigstellen
  • Suppe erhitzen
  • Toast Hawaii fertigstellen
  • alles anrichten

Während des Festes

  • Drinks mixen

Bis auf die Suppe und die Toast Hawaii sind die Speisen kalt, aber das gehört auch in die fünfziger Jahre. Anders als sonst sollten anstatt Brot eher Cräcker in vielfältiger Form, fertiges Käsegebäck oder vielleicht auch eine Sonne aus Minibrötchen auf dem Buffet stehen.

Für die Drinks sind Eiswürfel vorzubereiten, ich hatte mit nicht mehr als allenfalls 30 Drinks gerechnet und habe die mit zwei Mixbechern geschüttelt, als die Gäste beim Nachtisch angekommen waren. Die dazu erforderlichen Spirituosen, jeweils eine Flasche, haben wir später nach dem Fest geleert. In einen Mixbecher passen jeweils die Zutaten für 3 Drinks und Eis.

Für ein 4 Personenabendessen kann man z.B. ein Viertel einer Vorspeise mit Gemüse (Bohnensalat, Tomtenkörbchen, Paprikaecken) und ein Viertel einer anderen Vorspeise kochen. Dazu gibt es dann für jeden ein bis zwei normale Toastscheiben für Toast Hawaii, Fleisch und Käse dünn geschnitten, eine halbe Ananas, die restlichen Mengen angepasst, oder ein Drittel der Ochsenwanzsuppe. Den Rehrücken für wenige Personen zuzubereiten wird sich eher nicht anbieten.

Und hier sind nun die Rezepte


Antipasti, Tapas, Meze und Co., 2005

Nun beschreibe ich also als erstes unser Fest in 2005.

Warum gerade dieses Jahr? Für uns war das vergangene Jahr 2004 nicht besonders bemerkenswert. Unsere Tochter Hannah machte es uns mit ihren 12 Jahren leicht, indem sie einfach übersehen hatte, dass es so etwas wie Pubertätsallüren gibt. Zum Jahreswechsel zu 2005 war die Tsunamikatastrophe in Indonesien das einzige Thema. Zuvor war George W. Bush amerikanischer Präsident geworden. Ein Islamist hatte in Holland den Filmemacher van Gogh erschossen. Und in Deutschland bescherten die Hartz 4 Reformen mit der Neuzählung der Arbeitslosen die unerwartet hohe Zahl von mehr als 5 Millionen. Wir waren der kranke Mann Europas und das sollte  jetzt mit drastischen Mitteln verändert werden. Das spiegelt sich auch in Wolfgang’s Einladung wieder.

Für den Anfang habe ich dieses Fest gewählt, weil mir gerade jetzt das kulinarische Motto gefiel. In diesen Coronakrisenzeiten haben ja viele das Kochen (wieder) für sich entdeckt. und mit dem beginnenden Sommer sind kleine Köstlichkeiten doch genau das Richtige. Also geht es um Vorspeisen, Snacks für die Terrasse, sogar um etwas aufwendigere Zubereitungen für besondere Speisen. Derartige Gerichte gibt es in vielen Landesküchen, ich habe mich auf Rezepte aus dem Mittelmeerraum konzentriert.

Wie immer habe ich Rezeptbücher gewälzt, alte Zeitschriften durchforstet, in meiner Erinnerung gekramt. Anleitungen, die ich gefunden hatte, habe ich nach eigenem Gusto verändert, wenn mir die Anweisungen zweifelhaft erschienen oder ich eine Zutat nicht mochte. Alle Speisen mussten entweder vorbereitet, fertig oder Samstagabend unter den beengten Verhältnissen in unserer privaten Küche von Haushalts- oder Hobbyköchen  in maximal 80 min fertiggestellt werden können. Ich habe die Zutatenliste an meine Gästeanzahl angepasst( einschließlich der erwarteten Probierhappen in der Firma am Montag).  Ich habe überlegt, was ich vorbereiten, sogar fertig kochen und bevorraten oder einfrieren kann, und was wann wo eingekauft werden müsste. Die Einkaufsliste habe ich nach Einkaufsquellen kategorisiert und den zunehmenden Anmeldungen angepasst. Schließlich habe ich die fertigen Rezepte kopiert, um sie am Samstag der Küchencrew zum Kochen zur Verfügung zu stellen.

Die Einladung haben wir auch dieses Mal rund 6 Wochen vor dem Fest verschickt, nach dem der Termin mit dem harten Kern unserer Gäste, die keinesfalls fehlen wollten, schon nach Weihnachten abgestimmt war. Auf die Einladungsvariante zum ganzen Wochenende von Freitag bis Montag hatten sich 19 Gäste angemeldet, für die Samstagabendfete noch einmal 22 Personen zusätzlich. Das Büffet musste also für rund 45 Gäste reichen.

Ich beschreibe Euch als nächstes, was genau zu tun ist. Den Zeitaufwand für jedes Gericht nenne ich nicht, der hängt doch sehr von der eigenen Fingerfertigkeit beim Vorbereiten ab. Die Mengen sind in der Regel um einiges größer, als für die üblichen 4 Personenrezepte. Ich bin eine geübte Köchin und kann mit den Messern einigermaßen schnell umgehen. An Küchenmaschinen benütze ich lediglich einen normalen Herd, allerdings mit 5 Platten, 4 verschieden großen runden und einer länglichen für Kasserolen , einen Backofen mit Umluft, einen Handmixer, und eine Küchenmaschine zum Schnetzeln und hacken (Pesto) und einen Pürierstab.  Ich habe allerdings einen Doppelkühlschrank in der Küche für den Frühstücksbedarf am gesamten Wochenende, einen weiteren Kühlschrank (eigentlich für Wein) im Keller, und dort auch einen Gefrierschrank, den ich allenfalls für dieses Fest in Betrieb nehme. In diesem Jahr brauche ich ihn nicht.

Ich spare mir jegliche Dekoration, Dekobemühungen bei so vielen Hausgästen sind doch eher wenig haltbar. Ich habe einen Esstisch, den ich z.B. für die Freitagabende komplett ausziehe und dann für  maximal 15 Personen eindecken kann. Fürs Büffet wird der Tisch weniger groß an eine Wand gerückt. Ich habe große Tischdecken und genug Geschirr, Besteck und Gläser für 45 Personen. Ich sorge für ausreichend Servietten, eventuell mehr als genug Aschenbecher und einen Mülleimer für große Mengen Restmüll. Teppiche und allzu empfindliche Einrichtungsgegenstände werden weggeräumt.

Bei den Getränken bedenke ich die Vorlieben meiner Gäste. Ich habe z.B. sowohl Wein als auch Biertrinker. Alle lieben trockenen Sekt. Ein brauner Schnaps (Cognac) und ein weißer (Obstbrand), maximal 3 Flaschen insgesamt, stehen bereit, mehr nicht. Schließlich wollen wir 3 Tage durchhalten und  durch Alkohol allzu geschädigte verpassen zu viel. Für ein Fest habe ich z.B. beschafft (bestellt):

18 Flaschen Sekt, trocken

18 Flaschen Weißwein

12 Flaschen Rotwein

3 Flaschen Schnaps

8 mal 24    0,5 l Flaschen Pils

1 mal 24    0,5 l Flaschen alkoholfreies Bier

3 mal 12 Flaschen Wasser mit Kohlensäure

3 mal 12 Flaschen Wasser ohne Kohlensäure

12 Flaschen O-Saft (auch fürs Frühstück)

Das Bier habe ich in Kommission bestellt, d.h. überschüssige Mengen konnte ich zurückgeben. In späteren Jahren ist der Anteil des alkoholfreien Biers zu Lasten des Biers mit Alkohol gestiegen. Übrige Mengen Wein und Wasser haben wir einfach später verbraucht. Der Wein sollte eine gute Qualität haben, trocken sein, darf aber nicht zu herausragend schmecken, sonst kann man ihn nicht zu jeder Speise und nicht einen ganzen Abend lang trinken. Unter diesen Voraussetzungen hat uns obige Menge für das ganze Wochenende gereicht. Will man nur den Samstagabend bestreiten kann es etwa ein Drittel weniger sein.  Im zeitigen Frühjahr hatten wir den großen Vorteil, die Getränke draußen im Freien lagern und kühlen zu können.

Alle Vorbereitungen habe ich während meiner üblichen Vollzeitarbeit allein erledigt, nur am Freitag , dem Tag, an dem die Hausgäste eintrafen habe ich freigenommen und mit unserer Haushälterin zusammen bis 14.00 Uhr gekocht. An diesem Tag war ja auch das Abendessen vorzubereiten. Es gab für alle maximal 15 Personen ein sogenanntes gesetztes Essen, dazu würde später die lange Tafel aufgebaut. Meine Helferin hat dann die Küche sauber gemacht und ich konnte noch ein bis 2 Stündchen entspannen.

Auf diese Weise habe ich etwa 4 Wochen vor dem Fest das Motto und die Menüfolge geplant, die Einkaufslisten geschrieben, Lebensmittel und Getränke bestellt. Gemüse und Obst vom Markt wurden 3 Tage vor dem Fest geliefert. Haltbare Lebensmittel im Supermarkt , Bier und Wasser beim Getränkehändler mindestens eine Woche vorher eingekauft bzw. bestellt und geliefert. Das galt natürlich auch für die Zutaten der Gerichte, die frühzeitig zubereitet werden konnten. In unserer Weinhandlung probierten und kauften wir geeigneten Wein. Die letzten Einkäufe fürs Frühstück gab es zwei Tage vor dem Fest abends, Brot wurde bestellt, mein Mann holte es dann, wenn er die Gäste am Bahnhof abholte.

Es versteht sich, dass wir bei allen Lebensmitteln und Getränken auf eine gute Qualität achten. Es musste nicht immer Bioware sein, vor allem nicht, wenn die Biogemüse schon welk aussahen, während der Marktstand nebenan frische Ware anbot. Wichtig ist das Fleisch, aber unser Dorfmetzger war immerhin Kreisinnungsmeister, und sehr angetan, wenn ich so ungewöhnliche Dinge wie 4 Wochen abgehangenes Rindfleisch mit Fettschicht bestellte. Convenienceprodukte zu verwenden, muss man abwägen. Wenn die Hühnerbrühe nicht der Hauptbestandteil des Gerichtes ist, habe ich durchaus schon einmal Brühe aus dem Glas oder sogar gekörnte Brühe genommen Ich habe auch fertigen besten Zitronendirektsaft verwendet. Wenn allerdings in der Nachspeise Orangen dominieren, darf es kein industriell hergestellter Orangensaft sein, der schmeckt einfach anders als frisch gepresster.

Viele Rezepte sind sehr einfach, und für mich, die ich die allermeisten -Zubereitungsarten aus Erfahrung kenne, leicht und ohne dauerndes Nachlesen anzuwenden. Grundsätzlich habe ich alle überflüssigen Zutaten oder Arbeitsschritte weggelassen. Es versteht sich von selbst, dass alle frischen Lebensmittel vor der Verwendung gewaschen und in der Regel wieder getrocknet, oder geschält und geputzt werden. Meistens muss ich meine Gerichte nicht probieren, aber verwende anfangs ruhig etwas weniger Gewürze und Salz und gib nach dem Probieren mehr dazu.

Bedenke beim Nachkochen einzelner Gerichte für den kleinen Familienkreis und den dafür genannten Mengenangaben auch, dass due in der Regel nur eine Vorspeise, einen Hauptgang und einen Nachtisch auswählst.

Rezepte

Kaltes und warmes Buffett für 45 Personen

Motto: Antipasti, Tapas, Mezze und Co.

Vorbereitung: mehrere Tage vor dem Fest, abends allein, einen Tag vor dem Fest 6 Stunden mit einem Helfer und 1,5 Stunden unmittelbar vor Beginn mit 5-6 Mitköchen

Speisenplan: 14 Gerichte

4 bis eine Woche vor dem Fest  

Getränke beschaffen

Asiatische Pickles, kalt, vegan

Zwei Tage vor dem Fest  

Mousse au Chocolat,kalt

Orangen-Sülzchen, kalt

Gemüse in Olivenöl, vegan

Einen Tag vor dem Fest                                                               Marinierte Paprikascholle, Fisch, kalt

Fischterrine mit Krabben, Fisch, kalt

Bohnencreme mit Pesto, vegan

Rosmarin-Zwiebelsuppe, vegan

Speckröllchen

Hühnerbrust mit Sherry

Gemüse putzen für den Samstag

Eineinhalb Stunden vor dem Fest   

Geschmorter Chicoree,vegan, heiß

Champignons mit Schinken, warm

Radicchio mit Roquefort-Dip, kalt

Käsequiche, warm

Hühnerbrust und Suppe erhitzen

Kalte Speisen und Brotkorb anrichten

Zu jedem Rezept schreibe ich dazu, welcher Anteil für ein übliches 4 Personengericht ausreicht

Asiatische Pickles

Für 4 Portionen reicht die Hälfte einer Sorte Pickles

 

Kurkuma-Gurken            für 4 Gläser je ca. 0,5 l Inhalt

1200 g Salatgurke

0,75 l Apfelessig

80 g Zucker

4 Tl gemahlener Kurkuma

1 Eßl. Meersalz

einige Zweige Petersilie

Gurken schälen, längs halbieren, Kerne auslösen und wegwerfen, Gurke in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden

Essig mit 200 ml Wasser, Salz, Zucker und Kurkuma erhitzen, Gurken einmal aufkochen, 24 Std. ziehen lassen

Petersilie waschen und grob hacken, Gurken aus dem Sud heben und mit Petersilie in Gläser füllen

Sud noch einmal aufkochen und über die Gurken gießen, Gläser verschließen und eher kühl mind. Eine Woche aufheben,

haltbar etwa 4 Wochen

zum Servieren mit den anderen Pickles aus den Gläsern auf Teller oder Schalen anrichten

Asiatischer Rettich

2 weiße Rettich

1 Stück Ingwer,4 cm lang

1 Zimtstange

2 Tl schwarze Pfefferkörner

4 Sternanis

1 l heller Reisessig

4 Eßl. Zucker

1 Eßl. Salz

Rettiche schälen und in Pommes Frites große Stifte schneiden, etwa 4 cm lang, mit Salz bestreuen und 2 Stunden Saft ziehen lassen

Gewürze mit Zucker, Reisessig und 1 l Wasser aufkochen, Rettich darin noch einmal aufkochen, sofort heiß in Einmachgläser füllen. Mind. 1 Woche ziehen lassen

Haltbar mind. 4 Wochen

Scharfe Möhren                                                                             1 kg Möhren

750 ml –Weißweinessig

2 Eßl. Salz

160g Zucker

4 getrocknete Chilis

2 Stängel Minze

Möhren schälen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden,

Essig mit 200 ml Wasser, Zucker und den Gewürzen aufkochen und abkühlen lassen

Möhren mit Minze in den Sud geben und 1 Tag ziehen lassen, alles noch einmal für 2 min. kochen und heiß in Gläser füllen

Mind. 1 Woche ziehen lassen,

Haltbar mind. 4 Wochen

Mousse au Chocolat

Für 4 Portionen reicht ein Drittel

300 g Bitterschokolade

3 Eßl. Kakao

3 Tl. Kaffeepulver

9 Eier

3 Päckchen Vanillezucker

375 ml Sahne

90 g Zucker

Schokolade im Wasserbad schmelzen, Kakao und Kaffee unterrühren

Eigelb und Vanillezucker schaumig rühren, die Eicreme unter die noch warme Schokolade heben

Sahne und Eiweiß mit dem Zucker schlagen und ebenfalls vorsichtig nacheinander unter die Schokolade heben. Mind. Über Nacht gut kühlen.

Orangen Sülzchen

Für 4 Portionen reicht die Hälfte

14 Blatt weiße Gelatine

9 Orangen

3 Eßl Orangenlikör

150 g Marzinpanrohmasse

225 g süßer Honig (Klee)

450 g Joghurt 3,5 % Fett

375 g Sahne

30 g gehackte Pistazien

Gelatine in kaltem Wasser einweichen, Orangen filetieren und den Rest auspressen

Marzipan kleinschneiden und mit Saft und Likör verrühren, Honig dazu und mit dem Mixer cremig schlagen, Joghurt unterheben

Gelatine mit wenig Wasser bei schwacher Hitze auflösen, mit einigen Löffeln Joghurtmischung abkühlen, dann Gelatine in die Joghurtmischung rühren und kalt stellen

Sahne steif schlagen, wenn der Joghurt an den Rändern beginnt zu gelieren, die Sahne unterheben, zwei Drittel der Orangenfilets halbieren und unter die Masse heben, in eine Schüssel füllen und mind. 6 Stunden kalt stellen

Sülze mit den restlichen Orangenfilets und Pistazien garnieren

Gemüse in Olivenöl

Für 4 Portionen reicht 1 Drittel als Vorspeise

Sherryzwiebeln                                                                                             800 g kleine Zwiebeln

4 Eßl Olivenöl

200 ml trockener Sherry

100 ml Weißweinessig

2 getrocknete Chilischoten, Salz, 2 Tl. Zucker

Zwiebeln schälen, in Öl anbraten, Sherry, Essig und 250 ml Wasser dazu, Chili zerkrümeln, mit Salz und Zucker 15 min. köcheln, im Sud abkühlen lassen

Zucchini                                                                                             800 g Zucchini

10 Eßl. Olivenöl

20 Stängel Thymian

1 unbehandelte Zitrone

4 Knoblauchzehen. Salz, Pfeffer

Backofen auf 220 Grad vorheizen, Backblech mit 2 Eßl. Öl bestreichen, Zucchini längst in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden, salzen Pfeffern und mit den abgestreiften Thymianblättchen bestreuen, Zucchini auf dem Blech 10 min. backen, dabei einmal umdrehen

Zitrone heiß waschen, Schale abreiben, Saft auspressen, Knoblauch fein hacken, Zitrone mit dem Knoblauch und dem Backsud mischen, mit dem restlichen Öl in einer Schüssel mind. 4 Stunden marinieren.

Paprika                                                                                                              2 große rote, 2 gelbe Paprika

4 frische rote Chilischoten

2 Eßl- Zitronensaft

4 Eßl. Olivenöl. ! kleines Bund Petersilie, Salz

Im noch heißen Ofen Chili und Paprika backen bis sich die Haut löst (etwa 25 min.), Haut abziehen Paprika in Streifen, Chili in feine Scheiben schneiden, Petersilie grob hacken, alles mit Zitronensaft , Salz und Öl mischen, mind. 4 Stunden ziehen lassen

Marinierte Paprikascholle    

Für 4 Portionen reichen 2/3 der Menge

750 g Schollenfilets

1,5 Zitrone

Salz, Pfeffer

375 g Lauch

900 g gelbe und grüne Paprika

75 ml Obstessig

450 ml Apfelsaft

2 Tl. Rohrzucker

2 Lorbeerblätter

1,5 Tl. Senfkörner

1,5 Tl Schwarze Pfefferkörner

Gewaschene Schollenfilets halbieren und mit Zitrone, Salz und Pfeffer marinieren, in einer flachen Form kaltstellen

Gemüse putzen, Lauch in dünne Scheiben, Paprika in breite Streifen schneiden

Essig, Apfelsaft, Gewürze und etwas Salz aufkochen, darin Gemüse bei mittlerer Hitze 7 min. kochen

Gemüse und Sud über die Schollenfilets gießen, Lorbeer entfernen, mind. 6 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, 2 Stunden vor dem Servieren herausnehmen.

Fischterrine mit Krabben

Schon 2/3 der Menge reichen für 8 Portionen

900 g Räucherforellenfilets

1,5 Eßl. Zitronensaft

1,5 Eßl. Grappa

Salz, Pfeffer

300 ml Sahne

300g gepuhlte Nordseekrabben

Butter für die Form

1/2 Bund Dill

Kaltes  zerkleinertes Fischfilet, Zitronensaft, Gewürze in der Küchenmaschine pürieren, Sahne nach und nach dazugeben, nachwürzen, Krabben untermischen.

Backofen mit dem tiefen Auffangblech auf 150 Grad vorheizen, Wasser im Backblech miterhitzen (2/3 der Blechhöhe).

Eine schlanke Terrinenform mit 1,5 l Inhalt buttern, Dill auf den Boden legen, Fischmasse einfüllen, mit Alufolie schließen, 50 min im Wasserbad im Backofen garen.

1- 2 Tage kühlen, stürzen, (Flüssigkeit weggießen), in Scheiben schneiden

Bohnencreme

Die Hälfte reicht für 4 Portionen als Aufstrich zu geröstetem Brot

2 Dosen gare weiße Bohnen (Abtropfgewicht je 240 g)

4 Knoblauchzehen

10 getrocknete Tomaten in Öl

1/2 Bund Ruccola

2 Eßl. Kapern

4 Eßl. Olivenöl, Salz Pfeffer

Abgetropfte Bohnen in der Küchenmaschine pürieren, Knoblauch dazupressen, abgetropfte Tomaten und Kapern klein hacken, Rucola (ohne dicke Stiele) feinschneiden, alles mit Olivenöl mischen, würzen

Hühnerbrust mit Sherry

Ein Drittel reicht für 4 Portionen

1200 g Hühnerbrustfilet

5 Knoblauchzehen

300 ml Sherry,

300ml Hühnerbrühe

300g Olivenmit Paprika gefüllt

1 Eßl. Mehl

Olivenöl, schwarzer Pfeffer, Salz

8 Stängel Thymian

Hühnerbrust in Würfel mit 2 cm Kantenlänge schneiden, bemehlen, in Olivenöl goldgelb anbraten, aus der Kasserolle nehmen, mit Salz, Pfeffer und Thymianblättchen bestreuen

In der Kasserolle zerstoßenen Knoblauchanbraten, Weißwein und Hühnerbrühe dazu und auf die Hälfte einkochen. Hühnerwürfel dazu und nochmals 5 min Kochen, Oliven in Scheiben schneiden und dazugeben.

Am Festtag zum Servieren (heiß) 3 min. kochen.

Speckröllchen

Die Hälfte reicht als Snack für 4 Personen

2 getrocknete Chilischoten

4 Wachholderbeeren

4 Eßl. Zitronensaft

300 g getrocknete Aprikosen

3 Pakete Bacon

Chili und Wacholder im Mörser zerreiben, mit 250 ml heißem Wasser Und Zitronensaft übergießen, Aprikosen darin 2 Stunden einweichen

Baconscheiben halbieren, je eine Aprikose darin einwickeln, pfeffern, in einer Pfanne mit wenig fett rundherum braten

Kalt, lauwarm oder heiß servieren

Rosmarin-Zwiebel-Suppe

In Drittel reicht für 4 Portionen                                                6 Stängel Rosmarin

1500 g Zwiebeln

6 Knoblauchzehen

6 Eßl. Olivenöl

3 l. Gemüsebrühe

1,5 unbehandelte Zitrone

6 Eßl. schwarze Oliven ohne Stein

3 Eßl. Creme Fraiche für Nichtveganer

Salz und schwarzer Pfeffer

Gewaschene Rosmarinnadeln hacken, Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln, in Öl unter Rühren 10 min. braten, Brühe dazu, 10 min. köcheln, Zitronenschale abreiben, Oliven in Scheiben schneiden, kurz vor dem Servieren zu der aufgekochten Suppe geben und nachwürzen, nach Belieben Creme Fraiche dazu.

Geschmorter Chicoree

Ein Drittel reicht für 4 Portionen                                              900 g Chicoree

120 g Butter

3 Prisen Zucker, Salz und schwarzer Pfeffer

450 ml Kalbsfond, 3 Eßl. Kalbsglace Oder insgesamt 500ml Kalbsfond

3 Eßl. Julienne von unbehandelter Zitronenschale

3 Eßl. Zitronensaft

3Eßl. Thymianblättchen

150g luftgetrocknete Salami, dünn geschnitten

Chicoree halbieren, bitteren Kern herausschneiden, in einer Pfanne in zerlassener Butter 5 min. mit Salz, Pfeffer und Zucker schmoren

Kalbsfond auf ca. 300 ml. reduzieren, mit Zitrone und Thymian 3 min. köcheln, Chicoree mit der Sauce übergießen, sofort heiß servieren, Salami dazu servieren

Champignons mit Schinken

Die Hälfte reicht für 4 Portionen                                             700 g Champignons

200 g luftgetrockneter Schinken

2 Zwiebeln

4 Knoblauchzehen

4 Tomaten

Olivenöl

Salz,

6 Stängel glatte Petersilie

Chili

Champignons blättrig schneiden, feingewürfelte Zwiebel und Knoblauch in Öl anbraten, gehackte Petersilie und gebrühte und geschälte Tomate in Würfeln dazu, Schinken in Stücke schneiden und mit etwas Chili hinzufügen, zuletzt die Champignons einige min. mitschmoren, eventuell nachsalzen, noch warm servieren

Roquefort-Quark-Dip mit Radicchio  

Die Hälfte reicht für 4 Portionen                                             1 kleinen länglichen Radicchio

200 g Roquefort

300 g Quark

4 Eßl. Sahne

5 Eßl. Salatmayonnaise

Salz, schwarzer Pfeffer

2 Eßl. Kürbiskerne

Roquefort zerkrümeln, mit Quark, Sahne und Mayonnaise mischen, vorsichtig würzen

Auf den Radiccioblättern anrichten, mit Kürbiskernen bestreuen

Käsequiche 

Das ist ein Rezept für ein Backblech, es reicht zum Sattwerden (mit Salat) für 6 Personen

200 g Butter, 400 g Mehl, 4 Eßl. Joghurt, Salz

oder ca. 700 g fertigen Mürbeteig

2 Zwiebeln

2 Knoblauchzehen

500 g geriebenen Hartkäse

4 Eier

400 g saure Sahne

Cayennepfeffer

15 Cocktailtomaten

Aus Mehl, Butter, Salz, Joghurt und eventuell etwas Wasser einen Mürbeteig herstellen, 1 Stunde kühlen, oder fertigen Teig verwenden.

Eigelb,Käse, Sahne, gehackte Zwiebeln und Knoblauch mischen, mit Salz und Cayenne würzen, Eiweiß steif schlagen und locker unterheben

Ofen auf 160 Grad vorheizen, Teig auf dem Backblech auslegen, fetten nicht nötig, Rand etwas hochziehen, Käsemasse darauf verstreichen, Tomaten halbieren, mit der Schnittfläche nach oben auf der Käsemasse gleichmäßig verteilen, 45 min. backen

Abgekühlt oder lauwarm in Stücken servieren

Corona und die verlorene Lebenszeit

Wieder ist mehr als ein Jahr vergangen nach meinem letzten Eintrag. Erst gab es viel zu tun, u.a. mit der Verwaltung der Oppenfeld’schen Familienstiftung- doch davon ein anderes Mal mehr. Unmittelbar nach unserer letzten Reise, von der ich bald den Reisebericht hier einstellen werde, begann ernsthaft die Coronakrise. Ich will nichts über das Virus erzählen, davon haben alle schon genug gehört. Aber was bedeutet die Krise für unser Leben?

In vielerlei Hinsicht sind wir privilegiert: unser Vermögen, von dem wir ja im Wesentlichen leben ist vernünftig angelegt und hat nur wenig, und das auch nur auf dem Papier, an Wert verloren. Wir haben also keine finanziellen Sorgen, zumal ja viele große und kleine „Kostenverursacher“  weggefallen sind. Unsere Arbeit findet schon seit vielen Jahren im „Homeoffice“ statt, wir sind dafür eingerichtet. Abgesehen von der Arbeit für die Stiftung und unsere private Lebensführung bekommen wir immer schon nur sporadische Aufträge, die wir eher zum Vergnügen an sinnvoller Beschäftigung annehmen. Unsere Tochter ist erwachsen, lebt in ihrer Wohngemeinschaft, ist glücklich mit ihrem Freund und arbeitete an ihrer Masterarbeit auch vor Beginn der Krise schon zu Hause. Wir sind mit Ausnahme kleiner Wehwehchen gesund. Also kein Grund für Sorgen.

Und dennoch beeinträchtigt uns die Coronakrise heftig. Sie schränkt unseren Spaß am Leben ein. Sie schneidet uns ab von allen aushäusigen Aktivitäten, für die wir u.a. nach Berlin gezogen sind.  Kein Theater, Kino und Konzert. Der Terminkalender ist leer gefegt. Uns fehlen die vielen Treffen mit unseren Freunden. Sie sind doch für uns Familienersatz. Und ich möchte meine Freunde herzen und Knuddeln. Wolfgang hat sich angewöhnt, viele von ihnen immer Mal wieder anzurufen. Und er schreibt Rund-Emails, über die Politik, den Umgang mit Corona, Trump und was ihn noch so bewegt. Das gelegentliche Feedback unserer Freunde erfreut und ermuntert ihn. Ich halte Telefonkonferenzen mit unserer Doppelkopfrunde ab, lese in den Chats meiner Spielgruppen.  Aber das alles ersetzt nicht den persönlichen Kontakt, die vergnüglichen Abende und andere zusammen verbrachten Stunden, unser ausgefallenes Fest zum 1. Mai, das Semestertreffen mit den Freunden von Wolfgangs Ingenieurschule.

Und es ist ja noch lange nicht vorbei, trotz zunehmender „Lockerungen“, vor allem auch, weil wir als Risikogruppe nicht allen angebotenen Lockerungen folgen möchten. Weiterhin beschränken wir drastisch unsere persönlichen Kontakte. Keine Veranstaltung mit vielen nahen Fremden in geschlossenen Räumen für uns. Und ohne Impfung setzen wir uns in kein öffentliches Verkehrsmittel und schon gar nicht in ein Flugzeug. Und damit fällt auch noch ein sehr wichtiger Teil unseres Lebens aus, keine Reisen in die Ferne. Alle noch geplanten Reisen für dieses Jahr, in die Baltischen Staaten, nach Frankreich und nach Armenien und Georgien, sind storniert. Ob sie dann nächstes Jahr stattfinden können, steht in den Sternen. Für uns macht das einen erheblichen Teil unseres Lebens aus, sind wir doch in der Regel 4 Monate im Jahr verreist. Jetzt fahren wir im Juli eine Woche ins Allgäu und im August an die Schlei. Die Bilder im Fernsehn von überfüllten Urlaubsorten grausen mich etwas. Und Kochen im Ferienhaus, ebenso wie all die kleinen Unbequemlichkeiten einer Wohnung, die nicht die eigene ist, lassen mich auch nicht frohlocken. Wir fahren um die Langeweile etwas zu mildern. Wir füllen eine Liste mit Sehenswürdigkeiten, die es zu erkunden gilt. Denn das ist es, was Corona tatsächlich mit uns macht: Es klaut uns nach unseren Wünschen glücklich verbrachte Lebenszeit. Und davon haben wir in unserem Alter eigentlich nicht so viel zu verschwenden.

Und vielleicht zum Thema Angst: Uns treibt nicht die Angst vor der Lebensgefahr. Wenn wir an einer Corvid 19 Infektion sterben sollten, haben wir eben Pech gehabt. Wir gehen auch andere Risiken ein. Uns schrecken die bei Risikopatienten gar nicht so seltenen Langzeit- und Nebenwirkungen der Krankheit und der Beatmung.  Wir wollen keine lang andauernden körperlichen Einschränkungen erleiden, Atemnot, Kreislaufprobleme, kognitive Störungen. So etwas verunmöglicht schließlich nicht nur erst recht die von uns ersehnten Aktivitäten sondern schränkt auch die anderen in der Familie ein. Im Falle einer nötigen intensivmedizinischen Behandlung haben wir deshalb entsprechende Verfügungen getroffen.

Und so ärgert mich die Hybris vieler Ignoranten, die die wenigen empfohlenen Corona-Einschränkungen ignorieren, wie Maske tragen, Abstand halten und die Corona-Warn-App verwenden. Das sind doch nun wirklich geringe Unbequemlichkeiten, mit denen man „die Anderen“ schützt. Wie kann man da lamentieren über die Unbequemlichkeit der Masken, die angebliche Verletzung des Datenschutzes und die ungeheure Einschränkung der persönlichen Freiheit, anderen nicht dicht auf die Pelle zu rücken.

Diese Leute sind nichts als dumm, egoistisch und asozial.

Große Feste feiern

Wie schon erwähnt, habe ich für die großen Feste in Langgöns und Lollar ein Motto für die Samstagabend-Büffets ausgewählt und mich dabei nie wiederholt. Ich wollte meinen Gästen immer etwas Neues bieten. und sie damit überraschen. Das hatte ich natürlich bei den ersten Festen eher zufällig gemacht. Aber spätestens beim 6. Fest und dem ersten Büffet mit einem regionalen Thema hatte sich schon eine Tradition herausgebildet. Ich glaube, vor allem hatten meine Gäste Spaß an dem Tohuwabohu am Samstagabend, dem Mitkochen nach ausgedruckten Rezepten und der Spannung darüber, was ich mir ausgedacht hatte und wie es schmecken würde.

Ich galt bald als gute Köchin mit einem Talent für die Organisation solcher Feste. Die Themenwahl, die Rezeptsuche, der Einkauf und erhebliche Vorbereitung und Vorkocherei waren ja immer schon erledigt, wenn unsere Gäste eintrafen. Mein Mann Wolfgang trug seinen erheblichen Teil dazu bei, weil er sich intensiv um unsere Gäste kümmerte. Seine besonderen Einladungen, seine Fähigkeit, allen gleichermaßen freundlich zu begegnen, nie genervt zu sein, seine Art, immer wieder intensive Gespräche mit Einzelnen oder kleinen Gruppen zu führen, sein gelegentlicher Hang zu Blödelei oder schlagfertigen Absurditäten prägten die Atmosphäre an den Wochenenden.

Ich hatte einen besonderen Trick für diese Wochenenden, eine Idee, die sich sofort als genial herausstellte: Ich öffnete unser Haus, ich teilte die Schlafplätze zu, aber ließ meine Gäste die Betten selbst richten, ich erklärte, wo etwas zu Essen, zu Trinken, Geschirr, Gläser und alles andere zu finden ist. Natürlich gab es unter unseren Freunden welche, die dieses Self Service Angebot unbefangener annahmen, als andere. Aber es entwickelte sich schnell zu einer enormen Entlastung für mich. Ich musste niemanden fragen, was er zu trinken möchte, es bildete sich eine Frühstücksfraktion heraus, eine wechselnd besetzte Aufräumgruppe, Freiwillige zum Füllen der Spülmaschine, Kaffeekochen, Aschenbecherleeren, selbst zum Versorgen derjenigen Besucher , die nicht so häufig dabei gewesen waren.

Meine Aufgabe war, die Vorbereitung, die Uhr im Auge zu behalten und Auskunft zu geben auf das häufige „Susanne, wo ist….“. Es half mir natürlich die Tatsache, dass ich ohnehin Kurzschläfer bin, in der Regel einigermaßen standfest und nie betrunken und auch nach zwei Stunden Schlaf munter in die Welt schauen kann. Morgenmuffeligkeit ist bei diesen Festen abzustellen. Außerdem habe ich samstags, meist ab 23.00 Uhr, die Musik für die stundenlange wilde Tanzerei aufgelegt: Rockmusik war die einzig akzeptierte Wahl unserer Berliner Freunde. Unsere heimische Lollarer Freunde dagegen waren 15 Jahre jünger. Und so musste es einen akzeptablen Wechsel mit Diskomusik der achtziger und neunziger Jahre geben. Manchmal spielte ich durchaus auch etwas Aktuelles, das Gnade fand vor unser aller Ohren.

In der nächsten Zeit möchte ich die Feste im einzelnen darstellen: die Einladungen, Rezepte, eventuell Einkaufslisten….Die erste Einladung habe ich 1991 aufgehoben, die erste Menükarte 1996. Ich werde nicht chronologisch vorgehen, aber hier ist die Themenliste für alle Feste, vom ersten bis zum letzten.

1983    Berliner Kneipe

1984   Cocktailparty

1985   Süßes im Mittelpunkt

1986   30ster Geburtstag

1987    Villa Schlapp

1988    Türkisches Büffet

1989    Spanisches Büffet

1990    Westfälisches Büffet

1991    Terrinen, Galantinen und Pasteten

1992    Mittelmeerküche

1993    Schnittchen und Canapees

1994   Provence

1995    Grünes Büffet

1996    Russisches Winterfest

1997   Köstlichkeiten aus dem fernen Osten

1998    New Style for Grandma’s Food

1999    Al Fresco

2000    Karibische Nacht

2001    Allerweltsfisch und junges Gemüse

2002    Erinnerungen an Griechenland

2003    Frisch in den Frühling- Fit for Fun

2004    Fiesta Mexikana

2005    Antipasti, Tapas, Meze und Co.

2006    Back to the Fifties

2007    Hessen a la Carte

2008    Fastenspeisen und Osterschmaus

2009    Schwedisches Mitsommernachtsbuffet

2010    Frühlingserwachen a la Francaise

2011    Grünes aus allen Himmelsrichtungen

2012    American Multikulti

2013    Südsee Kreusfahrtromantik

2014    Küchentrends 2014, vegetarisch, asiatisch, traditionell, gewickelt, exostisch

2015   Typisch Deutsch? Gerichte mit Geschichte

Susanne und ihre Vorfahren, Auszug aus der Meyerinck’schen Familienchronik

 

Als ich am 25.2.1956 geboren wurde, hielt sich mein Vater Hans gerade wieder in Indien auf. Als Ofenmaurer der Fa. Still, Recklinghausen, ließ er sich gern häufig und langfristig an weitentfernte Baustellen versetzen. Das begann schon bevor er meine Mutter nach nur 6-wöchiger Brautwerbung 1954 heiratete und setzte sich während seiner gesamten Ehe fort.

Mein Vater begann seine Ausbildung mit 14 Jahren als Ofenmaurer. Mit 17 wurde er 1943 eingezogen und geriet in französische Gefangenschaft. Seiner Firma gelang es, ihn während dieser Zeit, abgeordnet von der Fa. Still, sozusagen als Teil der Reparationen, auf eine französische Kokereibaustelle zu entsenden. Bereits in jungen Jahren scheint mein Vater ein gewisses Sprachtalent gehabt zu haben, lernte er doch im Laufe seines Lebens Französisch, Englisch, Italienisch, Chinesisch und Portugiesisch, nie perfekt, aber immer doch so weit, dass er sich gut verständigen konnte, und in Brasilien z.B. vor Ort erneut einen Führerschein machen konnte. Zu diesen Sprachkenntnissen verhalf ihm auch seine Zugewandtheit zur einheimischen (gelegentlich auch weiblichen) Bevölkerung. Das war ungewöhnlich, hielt sich doch sonst die ausländische Community eher separiert.

Im Dienst der Firma Still stieg mein Vater auf. Vom Monteur wurde er zum Montageleiter, machte in den 1960ger Jahre seine Prüfung als Polier, und war in all den Jahren u.a. 5 mal in Durgapur Indien (davon zeugen heute noch die Silberbecher, die er nach jedem Einsatz bekam), in Italien, Frankreich, Taiwan, Pittsburg/USA und Brasilien. Jeder Aufenthalt dauerte mindestens 6 Monate, längstens 18 Monate. Nach seiner Zeit in Brasilien war er mit 60 Jahren nicht mehr tropentauglich, ging mit 63 in Rente und verstarb 1997 mit gerade 71 Jahren an Lungenkrebs, natürlich berufsbedingter Asbestose. Warum also die vielen Auslandaufenthalte? Seine Geschichten geben den Hinweis: Er war wer im Ausland, angesehen, Herr über viele Arbeitskräfte, lebte in großzügigen Verhältnissen, in eigenen Häusern versorgt von Personal. Seine Auslöse in den jeweiligen Ländern war gut bemessen, um so leben zu können. Währenddessen wurde seine Familie zu Hause durch ein ordentliches steuerfreies Einkommen gut versorgt.

Ob meine Mutter zu Beginn ihrer Ehe mit der Einstellung meines Vaters zum Eheleben gerechnet hat? Das erzählte sie nie. Aber sie wusste, dass mein Vater schon in Indien gewesen war und nach der Hochzeit dort wieder hingehen würde. Sie war 20 Jahre alt, als sie meinen Vater kennenlernte. Hans hatte eine gelöste Verlobung hinter sich. Den Entschluss, meine Mutter zu heiraten, fasste er schnell, obwohl seine Eltern nicht guthießen, dass er sich mit solchen „Polacken“ abgab. Immerhin war mein Großvater väterlicherseits als Steiger im Bergbau schon Vorarbeiter, wohingegen die Eltern meines Großvaters mütterlicherseits in den 20iger Jahren aus Ostpreußen, heute Polen, eingewandert waren. Meine Mutter stimmte der Heirat zu, entkam sie so doch dem mehr als schwierigen Elternhaus.

Geboren 1934 konnte meine Mutter Anneliese im Ruhrgebiet während des 2.Weltkrieges und in der Zeit danach nur einige Jahre die Volksschule besuchen. Insofern ist ihre Schulbildung lückenhaft. Sie schrieb zwar gern und viel, z.B. Briefe an meinen Vater, aber rechtschreibsicher war sie nicht. Heute würde man sagen, dass sie Legasthenikerin war, etwas, was sie an ihre Enkelin, meine Tochter Hannah, wohl vererbte. Anneliese begann mit 13 eine Lehre als Lebensmittelverkäuferin. Vor ihrer Ehe und auch noch einige Zeit danach arbeitete sie als Kellnerin in einem Ausflugslokal, wo sie meinen Vater kennenlernte. Damit hörte sie allerdings auf, als ich 1956 geboren wurde. Wir lebten in einer Dachwohnung am Nordrand von Recklinghausen. Eine Wohnküche unterm Dach, ein Schlafzimmer für meine Eltern und mich, die Toilette auf halber Treppe. Wenige Meter hinter unserem Haus begannen die Felder und „Nissenhütten“, Wellblechunterkünfte für Flüchtlinge. Steile Böschungen führten abwärts zu einer tiefergelegten Bahntrasse. Sowohl die Nissenhütten, als auch die Bahn waren mir wohl streng verboten. Dennoch war ich eines Tages eine Böschung zur Bahn halb hinuntergeklettert und wartete darauf, einem Zug zuzuwinken. Mein Vater fand mich dort. Es folgten Prügel mit einem Kochlöffel, an die ich mich noch erinnere, obwohl ich damals kaum 3 Jahre alt war.

Als mein Bruder Hans-Jörg 1959 geboren wurde, war die Wohnung zu klein und wir zogen in eine Neubauwohnung in Recklinghausen-Süd ein, 3 Zimmer, Küche, Bad, Balkon, welch ein Luxus.  Ich kam in den Kindergarten, geführt von katholischen Nonnen, die die Kleinen mit Geschichten von Tod, Sünde und Teufel erzogen, etwas, was mir noch Jahre lang Alpträume verursacht hatte. Es folgte 1962 die Volksschule. Nach nur einem Jahr nahm uns mein Vater mit nach Taranto, Süditalien. Sechs Monate blieben wir dort, ich fand es großartig, lernte Italienisch und Lesen und liebte Gelato. Nach einem halben Jahr wollte meine Mutter jedoch nicht mehr bleiben. Das war ihr einziger Versuch, meinem Vater zu einem Auftrag zu folgen.

Kurz nach unserer Rückkehr, als ich 8 Jahre alt war, begann meine Mutter wieder zu arbeiten, zuerst in der Nordsee, einem Fischgeschäft. Wir zogen nach Oer-Erkenschwick um, als ich 12 wurde. Wir hatten dort zwei Kinderzimmer und meine Mutter einen neuen Arbeitsplatz als Leiterin des Supermarktes unten im Haus. Es folgte die Position als Abteilungsleiterin fürs Kassenwesen im Kaufhaus Horten in Recklinghausen und Hannover, die Wahl zum freigestellten Betriebsrat und schließlich 1983 die Eröffnung der Gaststätte Erdelbrauck als Inhaberin in der Fußgängerzone von Lünen. Damit hatte sich meine Mutter einen lang gehegten Traum von selbständiger Arbeit in einem traditionellen Gasthaus, mit selbst gekochten  Gerichten westfälischer Hausmannskost zu Mittag, erfüllt. Damals war meine Mutter 49 Jahre alt. Von meinem Vater hatte sich meine Mutter bereits 1976 getrennt und einen neuen Lebensgefährten gefunden, den Friseurmeister Udo Sehrbrock mit einem Geschäft in Recklinghausen, bei dem sie auch kurze Zeit wohnte. Allerdings hatten sich meine Eltern nie scheiden lassen. Im Gegenteil, wann immer nötig, war mein Vater für meine Mutter da.

Anneliese hatte leider kein Talent dafür, mit ihren übrigen Verwandten dauerhaft friedlich auszukommen, sondern war mit meinem Bruder ebenso verstritten, wie mit ihren Eltern. Auch unser Verhältnis beschränkte sich auf regelmäßige Anrufe von mir, etwa alle zwei Wochen. Während mein Vater noch vor seinem Tod echtes Interesse an seiner einzigen Enkelin zeigte und jedes Vierteljahr zu uns nach Lollar kam, wobei er öfter meine Mutter mitschleppte, interessierte sie sich nicht die Bohne für meine Familie. Ich fand sie überaus aktiv, egozentrisch, empfindlich wie eine Mimose und immer wieder überraschend aufbrausend. So suchte ich kein engeres Verhältnis.

Mit 60 Jahren schließlich erkrankte meine Mutter schwer, nicht zuletzt als Folge ihres doch eher fordernden Lebensstils, und musste die Gaststätte aufgeben. Die Operation eines Aneurysmas später erforderte eine lange Rehabilitierung. Zurück blieben eine Störung des Kurzzeitgedächtnisses und ein wesentlich ausgeglicheneres Gemüt. 1997 verstarben kurz nacheinander sowohl ihr Lebensgefährte, als auch mein Vater. Meine Mutter lebte zufrieden allein in ihrer Wohnung in der Lünener Innenstadt. Ihre gesundheitlichen und leichten geistigen Beeinträchtigungen störten sie nicht weiter. Sie ignorierte alles, was ihren Seelenfrieden hätte beeinträchtigen können. Die erste Zeit nach der Aufgabe ihrer Gaststätte habe ich sie finanziell unterstützt. Als jedoch mein Vater starb, blieb für sie eine üppige Witwenrente. Dazu kam dann ihre eigene Rente und überraschenderweise vererbten ihr meine Großeltern die ansehnliche Summe von rund 60.000 DM. So war meine Mutter finanziell gut gestellt und hatte mehr, als sie ausgeben konnte. Allerdings schaffte es ihre Bank, von ihrem angesparten kleinen Vermögen innerhalb eines Jahres im Zusammenhang mit der Finanzkrise 2008 nur noch einen kümmerlichen Rest übrig zu lassen. Dagegen war nichts zu machen. Sie hatte blauäugig alle Papiere unterschrieben, auch die, mit denen sie risikoreiche Anlagen befürwortete. Meine Mutter starb dann nach nur kurzem Aufenthalt in einem Hospiz  2011 an einem verschleppten Krebsleiden.

Das nur periodenweise vorhandene Eheleben meiner Eltern führte dazu, dass ich schon als Kleinkind häufig wochenlang bei meinen Großeltern Hildegard und Ewald lebte, den Eltern meiner Mutter. Ich war gern dort. Meine Großeltern lebten in der oberen Etage eines Zechenhauses in Recklinghausen. Die Wohnung hatte eine Wohnküche mit Liegesofa und Fernseher, dahinter das Schlafzimmer. Es gab noch eine gute Stube, die nie benutzt wurde, und ein Abstellzimmer. Die Toilette war im Flur, gebadet wurde in einer Zinkwanne in der Küche, oder in der großen Klauenbadewanne in der Waschküche. Dazu gehörte noch ein niedriger Keller, höchstens 1,30 hoch, und ein Garten, Garage und Kaninchenställe inklusive. Keller und Garten waren für mich aufregende Spielplätze. Ich vergnügte mich mit dem Wellensittich meines Opis, der Streichholzschachteln vom Tisch schubste. Häufig  spielte ich Karten und Halma mit meiner Oma, nähte unzählige Puppenkleidung an der Tretnähmaschine meiner Omi und lernte ganz nebenbei auch alle anderen Handarbeiten, Stricken, häkeln, sticken. Alles war für mich Vergnügen. Das ist ganz erstaunlich, schließlich war mein Opa schwerer Alkoholiker. Morgens von 4 Uhr an arbeitete er auf dem Fruchthof, von wo er oft Zitrusfrüchte und Nüsse mitbrachte. Gegen 11.00 war er zu Hause und fing noch vor dem Mittagessen an, Bier zu trinken. Gegen 14.00 Uhr spätestens fiel er dann betrunken ins Bett und schlief bis zum späten Nachmittag. Wenn er schlecht drauf war, tobte er in der Küche herum, schmiss Lebensmittel und Teller auf den Boden und schlug meine Großmutter. Während er mich nie angerührt hatte, erzählten meine Mutter und meine Tante Christel, wie oft er sie als Kinder und noch als junge Frauen verprügelt hat und welche Angst sie vor ihm hatten. Ich dagegen wurde von meinem Großvater offenkundig geliebt, er sprach mit mir, spielte und lehrte mich nähen und basteln. Schläge bekam ich im Haus meiner Großeltern niemals.  Ich erinnere mich an Besuche auf der Trabrennbahn, Pilze- und Brombeersammeln „bei 70“. Das war ein Verkehrsschild in der Haardt, dem Wald nördlich von Recklinghausen, wo wir mit dem „Goggo“ hinfuhren.

Meine Oma erzählte Geschichten, wie sie als junge Frau bei den katholischen Nonnen als Weißnäherin lebte und arbeitete, wie sie den jungen Ewald kennenlernte. Er war eine verbotene Frucht, evangelisch, kam mit seiner Familie aus Ostpreußen, er hatte Herrenschneider gelernt und wegen des Geldes dann Hauer im Bergbau. Er hatte ein Motorrad mit Beiwagen und in seinem schicken Anzug war er so fesch, dass er es schaffte, sie zu verführen. Sie habe doch keine Ahnung gehabt, niemand hatte sie je aufgeklärt. Sie wurde schwanger mit meiner Mutter und leider kam die Hochzeit erst nach der Geburt. Kein weißes Hochzeitskleid für meine Oma. Die Schande führte dann dazu, dass sie ihre zweite Tochter erst 6 Jahre später bekam, obwohl sie ja nun verheiratet war. Meine Omi erzählte von den Schrecken des Krieges, wie oft sie im niedrigen Keller ausharrten, wie eine Bombe ein großes Loch in die Wand in der Wohnküche oben riss. Wie mein Opa besondere Lebensmittel beschaffte und auf dem Schwarzmarkt verkaufte. Einmal hatte er eine ganze geräucherte Speckseite, die bewahrte er im Kleiderschrank auf, leider solange bis sie völlig ranzig war, weil er nicht den Preis dafür erhielt, den er sich vorgestellt hatte. Omi zeigte mir die Überreste der Tabakblätter auf dem Spitzboden, die früher im Garten angebaut wurden und erzählte, dass Opi als Feuerwehrmann auf der Zeche Karl-Ludwig Carepakete „organisiert“ hatte, um die Familie zu unterhalten. Irgendwann muss er mal schwer verletzt worden sein, er hatte eine große breite Narbe auf dem Brustbein. Gegen den Schmerz habe er Morphium bekommen, sei süchtig geworden und davon nur mit dem Bier und Schnaps weggekommen. Meine Großmutter nahm ihre Ehe mit allen negativen Seiten hin. Mein häufiger Aufenthalt bei meinen Großeltern endete als ich 12 Jahre alt war, vielleicht weil ich älter geworden war, nicht mehr ganz so unkritisch. Ich ging ja schon aufs Gymnasium und Erkenschwick war viel weiter weg. Mit dem Alkohol, ebenso wie mit den Zigaretten hörte mein Opa dann mit ungefähr 70 auf. Sein Arzt hatte ihn eindringlich gewarnt, dass er beides nicht mehr lange überleben würde. Ausgerechnet, als, Opa dann dauerhaft nüchtern war, bekam meine Oma heftige psychische Probleme, mit Phasen völliger Apathie, so dass sie sich mehrmals in eine psychiatrische Klinik einweisen ließ. In dem eigentlich nicht sehr komfortablen Haus lebten meine Großeltern bis wenige Monate vor ihrem Tod. Kurz nachdem sie 1995 in eine Neubauwohnung umgezogen waren, starben sie beide innerhalb von 4 Wochen. Meine Großeltern führten das Leben einfacher Leute, selten kauften sie neue Möbel und Geräte nur, wenn die alten ersetzt werden mussten. Niemals in ihrem Leben waren sie im Ausland. Sie gingen nicht essen oder ins Theater. Ihre liebste Unterhaltung war die Tageszeitung und der Fernseher. Lebhaft in Erinnerung habe ich das sonntägliche Ritual mit dem Internationalen Frühschoppen im Gedächtnis. Danach gab es Mittagessen und dann im Fernsehen eine verfilmte Operette oder ein Heimatfilm. Eine Zeit lang hatte meine Omi sogar Putzstellen. Umso erstaunlicher war dann, dass sie an meine Mutter und Tante immerhin 120.000 DM vererbten.

Manchmal wurde ich von meinen Großeltern auch an meine Urgroßmutter Anna weitergereicht. Ich kannte noch beide Urgroßmütter. Die Mutter meines Großvaters Ewald habe ich allerdings nur wenige Male gesehen. Ich habe noch ihren ostpreußischen Akzent im Ohr, und dass sie darauf beharrte, ihre einstige Heimatstadt läge in Polen. Das war sicher ihre Reaktion darauf, dass im Ruhrpott die zugewanderten Arbeiter zwar im Bergbau gebraucht wurden, man jedoch wegen der Konkurrenz um die Arbeitsplätze auch Abstand hielt und eher abschätzig über die Polacken sprach. Das hatte sich nach dem zweiten Weltkrieg verstärkt, als zu den unbedingt erwünschten Bergleuten auch noch die Flüchtlingsfamilien aus dem Osten kamen. Obwohl man im heftig zerstörten Ruhrgebiet jeden Arbeiter brauchte, fehlte es jedoch an Unterkünften (deshalb die Nissenhütten, eine Anspielung auf die „verlausten“ Bewohner, die in großen Verbänden auf wenigen Quadratmetern hausten) und Geld. Ansonsten erinnere ich mich daran, dass es bei den wenigen Familienfesten auf dieser Seite so ungewöhnliche Gerichte gab, wie Schmalzgebackenes, Königsberger Klopse, Knödel aus gekochten Kartoffeln mit einer Füllung aus Fleischwurst, Zwiebeln und Rinderfett. Die Mutter meines Großvaters starb mit 91 Jahren.

An Anna erinnere ich mich besser. Sie war in meinen Augen schon sehr alt (81 als ich geboren wurde). Sie lebte in einer Einzimmerwohnung in der Nähe ihrer Tochter Hilde, meiner Omi. Alles fand in diesem Zimmer statt, es gab ein schmales Bett, das ich mit ihr teilen musste, wenn ich dort über Nacht bleiben sollte. Anna kochte auf einem kleinen Petroleumkocher meistens Eintöpfe. Die schmeckten wirklich gut, hatten jedoch eine längere Lebenszeit. Wenn vom Vortag nicht mehr genug da war, kam neues Gemüse und Wasser dazu. Anna kochte im Gegensatz zu meiner Großmutter wirklich gut, wenn sie in deren Küche das Zepter übernahm, Rinderbraten, Gulasch, Kaninchen usw. Anna war klein, etwas dick und flocht sich jeden Morgen aus ihren dünnen weißen Haaren einen Zopf, den sie auf ihren Kopf aufwickelte und mit einem Haarnetz fixierte. Außerdem brauchte sie eine sehr dicke Brille und zusätzlich eine Lupe zum Lesen. Ich mochte vor allem nicht bei ihr übernachten, es roch komisch in ihrem Bett. Meine Uroma war nämlich kräuterkundig. Über ihrem Bett trockneten Sträuße von Schafgarbe, Kamille, Minze und anderen Kräutern, aus denen sie ihren Tee mischte. Sie sammelte auch Löwenzahn, Giersch und Brennnessel, nicht nur für die Kaninchen meines Großvaters, ihres Schwiegersohnes, sondern auch für ihre geliebte Graupensuppe. Außerdem war die Uroma streng und mit dem Kochlöffel für ein paar Schläge schnell bei der Hand. Mit 90 gab Uroma ihre Wohnung auf und zog in das Abstellzimmer in der Wohnung meiner Großeltern. Der Spirituskocher wanderte mit. Ihr Zimmer betrat mein Großvater niemals, so wurde es Zufluchtsort für meine Oma, wenn Opi randalierte. Ich habe aber niemals gehört, dass sich mein Großvater über die Anwesenheit meiner Urgroßmutter beklagte. Sie lebte auch nicht in sondern neben seinem Haushalt und betrat die Wohnküche nur, wenn er nicht da war.

Ein wenig skurril wurde meine Uroma dann schon. In ihren Achtzigern war die strenge Katholikin zu den Zeugen Jehova übergetreten, weil die sich um sie kümmerten und gelegentlich mit dem Auto zu Gemeindeversammlungen abholten. Ich musste ihr aus dem Wachtturm vorlesen und die dogmatischen, etwas abstrusen Artikel zur Lehre Christi und zur geistlichen Bildung der Leser gefielen ihr sehr. Und sie spielte gern, Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und Halma, wobei sie schummelte und sich diebisch freute, wenn ich es nicht bemerkte. Anna starb mit 94. Eines Tages wollte sie morgens nicht aufstehen, sie wollte auch nicht essen und war etwas verwirrt. Zwei Wochen später war sie tot.

Im Gegensatz zu den häufigen Aufenthalten bei den Eltern meiner Mutter, sah ich die Eltern meines Vaters, überhaupt seine ganze Familie nicht oft. Dabei hatte mein Vater 7 Brüder, einer war gestorben, und eine Schwester. Auch die Eltern meines Vaters lebten in einem Zechenhaus von der klassischen Sorte, nämlich der Hälfte eines Doppelhauses. (Ein solches kaufte später mein Bruder und baute es mit der Hilfe meines Vaters um.) Das Haus hatte ein halb eingegrabenes Kellergeschoß für Kohlen (schließlich bekamen alle Bergleute ein Kohledeputat zum Heizen) und Vorräte. Es wurden Kartoffeln eingelagert und das viele eingekochte Obst und Gemüse brauchte Platz. Anmachholz musste gestapelt werden und die Zeitungen zum Feuermachen. Der Kellerteil zum Garten hin war Waschküche mit einem großen eingemauerten  Kupferkessel. Der Dachboden diente zum Wäsche aufhängen, kurz nach dem Krieg hatten Leute dort gelebt. Natürlich gab es kein Badezimmer sondern nur die Toilette auf halber Höhe im Treppenhaus. War auch nicht so nötig, die Bergleute gingen ja nach der Schicht in die Waschkaue und kamen sauber nach Hause. Notfalls wurde in der Waschküche gebadet, Dort stand eine große Badewanne, die eigentlich zum Wäschespülen gebraucht wurde. Im Erdgeschoss gab es die gute Stube und die Wohnküche. Darüber ein größeres und zwei kleine Zimmer. Eines wurde später nachdem Auszug der erwachsenen Kinder an einen Kostgänger vermietet. Hinter dem Haus gab es einen gepflasterten Hof und vor dem Garten den Schuppen und Ställe. Die Bergleute hielten mindestens Kaninchen und Hühner, manchmal sogar ein Schwein. Das ganze langgezogene Grundstück endete mit einem Nutzgarten. Ich fand es schön dort. Immer wenn ich dort war, traf ich auch meine gleichalten und älteren Cousins. Aber meine Mutter ging nicht gern hin und ich glaube nicht, dass sie von diesem Familienteil während der langen Reisen meines Vaters Unterstützung erfuhr. Deshalb blieb mir dieser Familienteil weitgehend fremd.

So hatte ich anfangs eine Kindheit, die sicher typisch für die fünfziger und frühen sechziger Jahre war. Die Eltern waren autoritär und schnell mit körperlichen Strafen bei der Hand, Verbote und Anweisungen waren die geläufigsten Erziehungsmittel. Wir hatten aber auch Freiraum. Nach der Schule trafen wir uns in großen Kindergruppen auf dem Spielplatz unserer Straße und verbrachten die Zeit mit unseren Freunden. Nach unserer Zeit in Italien war ich meinen Klassenkameraden in der Volksschule weit voraus, zumal die bevorzugte Strafe meiner Mutter war, mich das kleine, später das große Einmaleins aufschreiben zu lassen, oder einen Aufsatz zu verfassen, 5 Seiten, warum ich etwas tun oder lassen sollte. Meine junge Lehrerin kam auf eine grandiose Idee, wie sie mich davon abhalten konnte, vor Langeweile permanent den Unterricht zu stören. Sie entdeckte, dass ich ein Buch lesen und trotzdem den Unterrichtsstoff mitbekommen konnte. Und so übertrug sie mir die Leitung der Klassenbibliothek. Ich durfte jedes Buch zuerst lesen, zusammenfassen und den anderen Schülern empfehlen. Leider wurde sie von einem ältlichen Fräulein abgelöst. Die fand, ich sei wegen meines Mangels an Gehorsam und Disziplin nicht in der Lage dem Unterricht zu folgen. Die guten Noten verdanke ich nur meinem guten Gedächtnis. Etwas stellte sie mich in die Nähe des damals noch eher unbekannten Autismus. Sie fand jedenfalls, ich solle eine Sonderschule besuchen. Nun gab es damals in Nordrhein-Westfalen eine große Bildungsinitiative. Den Arbeiterkindern sollte höhere Bildung zugänglich gemacht werden. Es gab keine Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium mehr und die Schulbücher waren frei. Neue Schulen und Universitäten wurden gegründet. Also trotzte meine Mutter der Lehrerin und der ganzen Verwandtschaft meines Vaters gleich dazu und meldete mich fürs neue Gymnasium an.

Später dann ging es mir weniger gut. Nach dem Umzug nach Erkenschwick verlor ich den Anschluss an Freunde. In der Straße gab es wenige Kinder, das Gymnasium war eine Dreiviertelstunde Busfahrt weg. Meine Mutter hatte als Filialleiterin den ganzen Tag zu tun. Deshalb wurde jeden Morgen vor ihrer Arbeit und meiner Schule die Wohnung geputzt. Und so musste die Wohnung auch abends aussehen. Außerdem wurde ich zuständig, Wäsche zu waschen, zu bügeln und das Essen zu kochen. Davon war mein 3 Jahre jüngerer Bruder eigentlich nicht ausgenommen. Aber er scherte sich nicht darum, im Notfall konnte er immer behaupten, ich sei schuld. Selbst sonntags, wenn meine Mutter zu Hause war, verzog er sich auf die Toilette, bis ich mit dem Abwasch fertig war. Ich war die Ältere und immer dran, wenn etwas nicht nach den Vorstellungen meiner Mutter lief. Kein Wunder, ich wurde kein Freund meines Bruders.

Kurze Zeiten behandelte mich meine Mutter durchaus freundschaftlich, erkannte an, dass ich älter wurde und aus der Schule ein ganz anderes Weltbild mitbrachte. Während mein Vater im Ausland war, ging sie am Wochenende aus, traf sich mit Leuten, hatte männliche Freunde und erzählte mir davon. Mit 14 interessierten sich Jungs für mich und ich durfte  samstags nachmittags die Disko im Jugendheim oder auch die bevorzugte Jugendkneipe nach der Schule in Recklinghausen besuchen. Mit 15 lernte ich meinen ersten „richtigen Freund“ Reiner kennen. Und meine Mutter erlaubte mir, die damals recht neue Pille zu beschaffen, was ja nur mit Erlaubnis der Eltern ging.

Ich geriet aber auch dauernd mit ihr aneinander, wenn ich etwa nicht sauber genug geputzt hatte, 5 Minuten zu spät kam, „Widerworte“ gab oder unordentlich wäre. Es setzte Ohrfeigen, sie gab mir Hausarrest, leerte die Schubladen und Schränke in meinem Zimmer auf dem Boden aus. Ich fürchtete meine Mutter wegen ihrer Unberechenbarkeit. Richtig schlimm wurde es, als mein Vater längere Zeit zu Hause war. Er hatte zusätzlich Schwierigkeiten damit, dass ich erwachsen wurde, wollte die Freiheiten, die mir meine Mutter bereits gewährt hatte, wieder einschränken. Die Diskussionen, die daraus entstanden habe ich mit aller auf der Schule gewonnenen Sprachmächtigkeit bestritten, was meinen Vater unglaublich wütend machen konnte. Ich wollte aber auch nicht nachgeben und Freund, Freunde und Ausgehen wieder aufgeben. Solche Auseinandersetzungen konnten zu ernsthaften Prügeln führen, die immer häufiger wurden. Mit 17 dann ging ich am Tag nach einer solchen Auseinandersetzung zum Arzt und zum Jugendamt, führte meine Striemen und blauen Flecken vor. Mit deren Duldung zog ich zunächst bei den sehr netten Eltern meines Freundes Reiner ein. Später brachte mich das Jugendamt dann bei einer „Pflegemutter“ unter. Dort blieb ich bis zum Abitur. Auch das war keine leichte Zeit. Mein Freund wechselte zum Studium nach Berlin. Das Jugendamt traf sich häufiger mit meinen Eltern und war gar nicht mehr wohlwollend. Die Pflegemutter setzte enge Grenzen, Abendessen um 19.00 Uhr, zu Hause sein unter der Woche um 21.00 Uhr, Samstag um 22.00 Uhr, keine Musik in meinem Zimmer, selbst meine geliebten Besuche in den Ruhrfestspielen (ich hatte mir schon seit Jahren von meinem Taschengeld ein Schülertheaterabo gekauft) musste ich aufgeben. Ich wagte nicht aufzumucken, drohte doch das Jugendamt mir damit, mich zu meinen Eltern zurückzuschicken. Deren liebste Drohung, war mich von der Schule zu nehmen und in der Fabrik arbeiten zu lassen. Tatsächlich musste ich gleich nach meinem letzten Schultag  Anfang März 1974 in die Wohnung meiner Eltern zurückkehren. Ich machte meinen Eltern dann vor, dass ich bereits einen Studienplatz in Berlin hätte und nun ein Praktikum machen müsse in der Zimmerei  der Eltern meines Freundes. So verließ ich also jeden Morgen das Haus und arbeitete in der Zimmerei in der Werkstatt, auf der Baustelle oder im Büro. Das mit dem Studienplatz war erstmal gelogen. Ab Mitte Mai hatte ich dann in einem ausführlichen Bewerbungsprozess einen Studienplatz für Malerei an der Hochschule für Künste in Berlin gewonnen und zog noch im August nach Berlin um. Erst im November wechselte ich zu Bauingenieurwesen. Anfangs wohnte ich noch im Zimmer von Reiner zur Untermiete bei einer alten Dame. Nicht bald danach hatten wir uns allerdings heftig verstritten und trennten uns.  Reiner konnte nicht damit umgehen, dass ich so schnell so viele, vor allem männliche Freunde fand, was Wunder an der TU Berlin. Ich war eines unter den 3% weiblichen Wesen bei den Ingenieurstudenten. Erst nach der Trennung war ich wirklich frei und ungebunden. Zu meinen Eltern hielt ich nur noch gelegentlichen Kontakt, stattete mal einen Weihnachtsbesuch ab. Vor allem fühlte ich mich emotional frei von rücksichtsvoller Verantwortung meinen Eltern gegenüber. Mit den Jahren wurde unser Verhältnis ungezwungener, aber wirklich enger wurde es nie.

Und mein Bruder Jörg, damals noch Hansi, was machte er die ganze Zeit? Von meinen Auseinandersetzungen mit meinen Eltern blieb er weitgehend verschont. Er wusste auch, wann Leisetreten angesagt war. Prinzipiell war er in die Verteilung der Aufgaben einbezogen, aber es wurden immer nur Arbeiten an „Euch beide“ verteilt, denen er sich straflos entzog. Er wusste ja, dass ich als ältere immer zuerst zur Verantwortung gezogen würde. Er musste nie um den Erhalt von Privilegien kämpfen. Während ich nachmittägliches Weggehen erstreiten musste, kam er nach der Schule einfach nicht nach Hause. Er bekam aber auch nicht die Aufmerksamkeit, die ich all die Jahre hatte. Er war immer irgendwie weggeduckt. Als ich dann von Zuhause ausgezogen war, war mein Bruder 14. Meine Eltern wandten sich ihm zu, versuchten es besser zu machen. Ihn zu fördern. In diese Zeit fiel auch die erste „richtige“ Urlaubsreise nach Gran Canaria, etwas Besonderes nach 7 Jahren Ferien im Salzkammergut. Aber es war wohl zu spät. Mein Bruder hatte den Übergang zu einer höheren Schule verpasst. Zu schlecht waren seine Noten und sein Interesse an der Schule nur mäßig. Meine Mutter verschaffte ihm eine Lehre als Elektriker bei der Zeche. Er schloss eine zweite Ausbildung als Energieanlagenelektroniker an. Jahrelanges Mitarbeiten beim Deutschen Roten Kreuz verbunden mit der Begleitung Jugendlicher ins Ferienlager, befreite ihn vom Wehrdienst und verschaffte ihm später einen Berufswechsel zum Sanitäter und noch später in die Personalabteilung bei der RAG Ruhrkohle AG. Es heißt, mein Bruder war sauer, dass mein Vater an mich mein ganzes Studium lang den Bafög-Satz als Unterhalt zahlte, während er von seinem Lehrlingsgehalt zu Hause abgeben musste. Als meine Mutter meinen Vater verließ war er 17 und hütete fortan die Wohnung, während mein Vater im Ausland war. Mein Bruder heiratete und ließ sich nach einigen Jahren scheiden. Diese Frau mochte meine Mutter nie, weshalb es zum Bruch zwischen ihr und meinem Bruder kam. Jörgs zweite Frau Elke erkrankte einige Jahre nach der Hochzeit an Kieferkrebs. Sie behielt ein verunstaltetes Gesicht und verließ selten das Haus. Ihr zuliebe und wegen der günstigen Freistellungsbedingungen für den Kohleaustieg, ließ sich mein Bruder bereits mit 56 Jahren pensionieren. Elke verstarb in diesem Jahr mit 49 Jahren. Erst jetzt sucht mein Bruder etwas engeren Kontakt zu mir, seiner letzten Verwandten, nachdem wir nie eine Bruder-Schwester-Beziehung hatten.

23.11.2018

Februar 2019 vor der nächsten Reise

Immer wieder wird meine Beschäftigung mit dieser Website unterbrochen, häufig durch besonderen Arbeitsaufwand bei der Organisation unseres „Rentnerlebens“, einen Auftrag, den uns Wolfgang beschafft hat und der immer zur Unzeit erteilt wird und unverzüglich bearbeitet werden muss, bevor die nächste Reise ansteht.

Einige private Ereignisse haben uns zusätzlich beschäftigt. Unser guter Freund Hans ist plötzlich nach kurzer Erkrankung verstorben, Trauer, Wohnungsauflösung, Beerdigung haben uns beansprucht. Zu gleicher Zeit musste unsere Tochter Hannah aus dem Studentenwohnheim ausziehen. Ihre maximale Wohndauer war schon überschritten, aber Wohnungssuche in Berlin für eine Vierpersonen- Studenten-WG ist extrem schwierig. Endlich, Anfang November hatten wir einfach Glück. Wir brauchten und fanden eine neue Hausverwaltungsfirma für unsere Stiftung. Eine Freundin empfahl uns ihren Hausverwalter und der hatte zufällig genau die passende Wohnung an der Hand.

Zum ersten Mal stand nicht die gemeinsame Silvesterreise mit Hans an, statt dessen buchten wir schnell entschlossen Weihnachtsferien im Robinsonclub Arosa. Wolfgang wollte unbedingt mal wieder richtigen Schnee und stellte sich lange Waldspaziergänge vor, Hannah wollte seit 10 Jahren zum ersten Mal wieder Skilaufen und vor Silvester zum Feiern nach Berlin zurück und ich wollte Ruhe und keinen Weihnachtsstress. Alles bekamen wir in perfekter Weise. Ich hatte z.B. keinen Geschenkbeschaffen-Stress. Wir hatten Hannah in ihrer neuen Wohnung eine Küche gesponsert, weshalb Geschenke für sie erledigt waren. Damit waren auch gleich Geschenke für Wolfgang und mich ausgeschlossen, schließlich konnten wir nicht vor Hannahs Augen eigene Päckchen auspacken. Wolfgang hatte dann einen Tag nach Ankunft 60cm Neuschnee im Ort und perfekte Ein- bis Zweistundenspaziergänge mit mir von der Bergmittelstation ins Tal hinab. Und Hannah stellte befriedigt fest, dass sie Skifahren nicht verlernt hatte. Also, alles in allem super, und nur eine winzige Spur langweilig, deshalb nicht unbedingt zur Wiederholung angesagt.

Zur Wiederkehr am 2.1.2019 fanden wir dann unser Auto in der Tiefgarage ausgeräumt vor, Bordcomputer, Lenkrad, Scheinwerfer alles weg, Stoffdach aufgeschnitten, tiefe Kratzer in den Lederpolstern und alle möglichen Kabel zerschnitten.

Nun ist aber alles wieder geregelt und unsere nächste Reise steht bevor, 2 Wochen Safari in Tansania und eine Woche Tauchen auf Pemba, nördlich von Sansibar.  Weitere Reisen sind bereits organisiert oder geplant. Mit Hannah fahren wir im Sommer 3 Wochen Auto rund um Island. Ende September geht es auf Kreuzfahrt in der Ostsee baltische Städte besuchen. Und nächstes Jahr im Januar folgt noch einmal ein Besuch der Antarktis.

Für seine Chronik hat Wolfgang gebeten, dass ich ihm die Geschichte meiner Familie aus den letzten 4 Generationen aufschreibe. Er hielt meinen eher proletarischen Hintergrund für ein bestens geeignetes Beispiel gänzlich anderer Lebensweise, als der seiner eigenen Familie. Mein Bericht wird also in seine Chronik aufgenommen. Hier stelle ich ihn schon einmal vorab ein.

Reise Chile 2018

Der Bericht über unsere Reise nach Chile im März 2018 soll nun der erste sein, der hier zugänglich gemacht wird.

Dazu müsst ihr den untenstehenden Link verwenden. Er führt Euch zur Dropbox, unserem Cloudspeicher, wo wir alle Reiseberichte gespeichert haben.

https://www.dropbox.com/s/op4bmns3s92wwer/2018.02.%20Chile.pdf?dl=0

Alle neuen Reiseberichte sind nicht perfekt gestaltet, weil unsere Tochter Hannah nicht immer Zeit findet, sich darum zu kümmern. Aber dem Verfasser Wolfgang kommt es ohnehin nur darauf an, Euch unsere Eindrücke durch Fotos zu vermitteln, was er durch sehr nette Texte verstärkt. In jedem Fall handelt es sich um unsere subjektive Sichtweise.

Viel Spaß