Unser liebstes Hobby: Reisen-Mongolei 2009

Bereits letztes Jahr habe ich ausführlicher über unsere Leidenschaft für kalte Gegenden erklärt. Damit fing das häufige Reisen aber nicht an:

Ich habe schon an anderer Stelle erwähnt, dass mein Vater als Monteur, später als Bauleiter weltweit an der Errichtung von Stahlhütten mitgewirkt hat. Meine ganze Kindheit lang hatte ich zwar selten einen Vater in der Nähe, dafür aber Kunstgewerbe, Fotos und Briefe vor allem aus Indien vor Augen. Während meines einzigen Aufenthalts im Ausland in Italien in meiner Kindheit hatte ich früh lesen gelernt. Dazu gehörten z.B. Geschichten über ein Mädchen, das auf Java lebte, Robinson Crusoe, jede Menge Karl May. Es gab Filme im Fernsehen, „Der Tiger von Eschnapur“, „Lawrence von Arabien“ und die Western, die mein Vater bei seinen seltenen Aufenthalten zu Hause so liebte. Ich war fasziniert von den fremden Landschaften, den außergewöhnlichen Kulturen, der Schönheit alter Bauwerke. Das wollte ich alles sehen, aber mein Vater war nach Italien leider nie mehr bereit uns im Ausland dabei zu haben, z.T. sicher weil meine Mutter nicht wollte. Für kurze Ferien wollte er sich für ein Kind wie mich wohl nicht die Mühe machen. Und während seines eigenen Heimat-Urlaubs wollte er nur zu Hause bleiben. Allenfalls ließ er sich mal zu einer Reise nach Österreich bewegen.

Ich musste also warten, meine eigenen Hoffnungen, fremde Länder zu sehen, zu realisieren. Mit meinem ersten langjährigen Freund Reiner fing es an. Ich war 17, als wir mit Freunden 4 Wochen nach Schweden und über Finnland nach Norwegen fuhren, mit Zelt natürlich. Ein Jahr später fuhren wir mit einem ausgebauten VW-Bus nach Österreich, Italien (Venedig war einfach wunderbar), Monaco und Frankreich. Mein nächster Freund war nicht ganz so reiselustig, aber immerhin nahmen er und seine Eltern mich mit zum Segeln auf der Ostsee, durch den Götakanal und die schwedischen Seen. Aus Langeweile gerieten wir 1976 an einen Tauchkurs auf Mallorca, was mich ziemlich angefixte. Als ich Autofahren gelernt hatte, machten wir uns auf den Weg nach Korsika. Noch war ich also über Europa nicht hinausgekommen. Das wendete sich 1980. Ich war mit Wolfgang zusammengekommen und wir reisten nach Sri Lanka, eines der Ziele die in den Jahren zuvor bei allen esoterisch oder sonstwie hippiemäßig angehauchten Menschen hoch im Kurs stand. Und es passte wunderbar, wir konnten prima zusammen fahren. In den nächsten Jahren waren wir unbelastet genug, einige wirklich außergewöhnlichen Reisen zu unternehmen: auf die noch weitgehend unbekannten Malediven zum Tauchen, nach Ägypten und den Sinai, nach Indonesien, Kuba, den Philippinen und Palau. Wir besuchten die Nationalparks im Westen der USA und Nepal. Vielleicht finde ich ja noch einmal einen Teil der wunderbaren Fotos, die es -auf Papier- von diesen Reisen gab.

Seit 1989 belastete uns mehr Verantwortung bei unserer Arbeit, was die langen Reisen und schlecht erreichbar zu sein ausschloss. Und dann kam 1992 Hannah und veränderte die Prioritäten. Wir stellten uns also um, auf Skifahren, Cluburlaub, z.T. mit Tauchen, europäische Ferienhäuser. Erst als Hannah etwas älter wurde, sahen wir uns gelegentlich nach abenteuerlicheren Zielen um. Und nach dem Verkauf unserer Firma gab es keine Einschränkungen mehr.

Eine unserer ersten spannenden Reisen nach dieser langen Zeit führte uns in die Mongolei. Den Bericht dazu will ich euch nicht vorenthalten:

https://www.dropbox.com/s/wj94kuh1xgl1zxk/Mongolei%20Juli%202010%20Reisebericht%20%208.1.22%20.pdf?dl=0

Ein Sommerfest „Al Fresco“, 1999

Der Einladung konnte ich entnehmen, dass es schlicht Schwierigkeiten gab, einen Termin zu finden. Unsere Firma hatte richtig viel zu tun, wir überlegten, neue Produkte anzubieten, u.a. Verladearme für Flüssigkeitsverladung in der Industrie.

Und so schrieben wir also eine Einladung zum 1. Mai-Wochenende:

Und wir hatten großes Glück mit dem Wetter, unsere Getränkevorräte versenkten wir zur Kühlung im Wasserbecken an der Terrasse und ließen uns im Garten nieder. Niemand hatte Lust auf Spaziergänge oder Besichtigungen. Also machten wir uns schon Samstagnachmittag über die ein oder andere gerade fertig gewordene Speise fürs Abendbüffet her, natürlich nur zum Probieren, aber wenn 15 Leute mit Appetit probieren, bleibt nichts übrig. Auch die Bowle hat es nicht bis zur Abendfete geschafft. Das Motto lag in diesem Jahr natürlich auf der Hand:

„Al Fresco“

also Gerichte zum Essen im Freien, im Garten, bei Picknick, gut kalt zu essen, nicht zu empfindlich bei Transport. Und das passt doch gerade gut. Außerdem liebe ich Erdbeeren und habe gar nichts dagegen, sie vielfältig zu verwenden.

Wie immer hatten wir freitagsabend 15 Personen um den Tisch sitzen und es gab wahrscheinlich Fondue mit Brühe und Salat. Hannah war für die Nacht ausquartiert bei der Kinderfrau. Samstagabend waren sicher um die 30 Gäste angekündigt.

Verzeiht mir, dass ich wieder einfach die kopierten Rezepte unten einfüge. Die Notizen zeigen, wann die Zubereitung erfolgte und mit welchen Mengen das Rezept nachgekocht wurde. Nur zur Erinnerung, meistens begann ich schon am Sonntag vor dem Fest mit dem Kochen eines Gerichts, das entweder so lange aufbewahrt werden konnte/musste oder eingefroren werden konnte. Für alles, was bis Mittwoch gekocht werden sollte, kaufte ich am Samstag vorher morgens ein. Der restliche Einkauf, auch fürs Frühstück fand dann am Mittwoch statt. Getränke und Brot wurden bestellt und geliefert. Freitags habe ich anfangs allein, später mit unserer Haushaltshilfe von morgens bis zum frühen Nachmittag gekocht. Am Tag der Samstagabendfete standen wir dann um 18.00 zu acht in unserer Küche und haben die restlichen Zubereitungen erledigt.

Zwischenzeit

Nach den drei kurz aufeinander folgenden Reisen, bei denen die Vielfalt der Ziele kaum hätte größer sein können, erwartete uns zu Hause ein Berg von Arbeit. Zum Teil ist es gelungen, den abzuarbeiten, sofern uns nicht fremde Urlaubspläne, also solche von den uns zuarbeitetenden Menschen, aufhalten. Nun, jedenfalls ist jetzt erst mal Pause.

Man könnte fragen, was mich in meiner Situation und in meinem Alter denn so sehr beschäftigt. Die Organisation unseres privaten Lebens dürfte doch nicht so schwer sein. Ist sie natürlich auch nicht, aber eben sporadisch mit erheblichem Aufwand verbunden, der dazu noch in kurzer Zeit erledigt werden muss. Dieses Frühjahr hat mich der Verkauf meines einzigen Mehrfamilienhauses beschäftigt. Die Verträge mit der Verwaltung und dem Käufer, die Abrechnungen und Ärger mit säumigen Mietern mussten abgeschlossen und erledigt werden. Es bot sich an, gleich anschließend unsere privaten Steuerunterlagen zusammenzustellen.

Weit mehr Arbeit macht mir die Verwaltung einer kleinen Familienstiftung. Wolfgangs illustre Familie, deren Stammbaum über 18 Generationen bis ins Jahr 1400 zurückverfolgt werden kann, ist an einigen Familienstiftungen beteiligt. Mehrere Vorfahren haben, anstatt ihr Vermögen einfach zu vererben, Testamente aufgesetzt, die heute einer Familienstiftung gleichkommen. Ein Teil des Immobilienbesitzes sollte verwaltet werden und die Einkünfte den Erben und allen Nachkommen zur Verfügung stehen. Eine dieser Stiftungen ist die Georg-Moritz von Oppenfeld’sche Familienstiftung. Georg Moritz von Oppenfeld ist der Schwiegergroßvater von Wolfgangs Urgroßvater. Georg Moritz wollte seine drei Töchter, unabhängig von ihren wohl eher nutzlosen Ehemännern, abgesichert werden. Er bestimmte, dass seinen drei Töchtern und allen ehelichen Nachkommen die Einkünfte aus der Vermietung eines Mietshauses ausgezahlt werden.

Die Immobilie stand in Berlin und wurde in den 30iger Jahren des vorigen Jahrhundert gegen ein großes Mietshaus in der Berliner Torstraße getauscht. Während der DDR-Zeit war die Stiftung deshalb mittellos. Erst nach der Wende hat die Berliner Stiftungsverwaltung einen neuen Kurator bestimmt, um das Schicksal des Oppenfeld Testaments aufzudröseln. Es zeigte sich, dass das Haus kurz vor der Wende widerrechtlich in den DDR Staatsbesitz übereignet wurde. Der Kurator bemühte sich um Rückgabe und musste dazu erst einmal die Ansprüche der Gesellschaft niederkämpfen, die sich für die Rückgabe enteigneten jüdischen Besitzes im NS-Regime kümmerte. 1992 war es endlich gelungen. Das Mietshaus in der Torstraße war wieder in Stiftungsbesitz. Es war nur entsetzlich heruntergekommen. Wegen des immer schon riesigen Wohnungsmangels sind in so einem vernachlässigten Gebäude trotzdem alle Wohnungen vermietet, und unter der DDR-Verwaltung auch noch zu lächerlich niedrigen Mieten an verdientes Parteivolk. Je größer die Wohnung ist, umso niedriger ist die m²-Miete gewesen. Behindert durch solche Umstände kam der Kurator mit der Instandhaltung des Gebäudes nur langsam voran, wenngleich er sämtliche Einnahmen in Sanierungen steckte. So gab es für die Nachfahren der Erben weiter keine Ausschüttungen aus der Stiftung.

2013 zogen Wolfgang und ich nach Berlin zurück, Anlass für einen Teil der Oppenfeld-Erben doch die Ablösung des Kurators der Stiftung aktiver zu betreiben. Nachdem der Sohn eines der jetzigen Destinatäre, Rechtsanwalt in Berlin, keinen Erfolg bei der Kooperation mit dem Kurator hatte – dieser war mittlerweile weit über 80 Jahre alt und etwas eigen und starrsinnig- sprang Wolfgang in die Bresche und bot sich als Bauingenieur für ein sanierungsbedürftiges Haus und mich als versiertem ehemaligen Kaufmann eines Unternehmens als Verwalter an. Es gelang und seit 2015 sind Wolfgang und ich Verwalter der Oppenfeld’schen Familienstiftung.

Wir stellten schnell fest, dass die weitere Sanierung großen Aufwand erfordern würde, kreditfinanziert werden musste und mit Widerstand der äußerst günstig wohnenden Mieter zu rechnen war. Dafür war aber die Lage der Immobilie grandios, in Berlin Mitte ist die Torstraße Herzstück eines aufstrebenden Geschäfts-und Vergnügungsviertels. Über ein paar verschlungene Wege kamen wir in Kontakt mit einem erfolgreichen Berliner Immobilien Investor, dem sehr jungen Jacob Mähren. Er war so begierig auf eine Immobilie in der Torstraße, dass er dafür zwei Drittel von gleich zwei bereits sanierten Berliner Mietshäusern eintauschte. Das war ein sehr gutes Geschäft für die Stiftung, denn nun gab es von Anfang an verfügbare Einnahmen, die an die Destinatäre ausgeschüttet werden können.

Der Immobilientausch machte aber auch Wolfgangs Fähigkeiten als Bauingenieur ziemlich obsolet. Ohnehin hatte Wolfgang sich von Anfang an darauf verlassen, dass ich schon wisse, was bei der Verwaltung einer Stiftung zu tun ist. Und so ist er natürlich immer interessiert an dem, was gerade passiert, hält sich bei der Bearbeitung von Stiftungsangelegenheiten aber zurück. Ohnehin hatte er mehr Spaß, seinen alten Geschäftsfreund Piero Satta beim Abschluss eines alten Tanklagerprojektes im Oman zu unterstützen. Piero ist Ende 2021 gestorben und nun hilft Wolfgang Pieros Kindern umso mehr, das schwierige Projekt fertigzustellen.

Die Arbeit mit der Stiftungsverwaltung bleibt also bei mir. Und ich schimpfe zwar gelegentlich, aber eigentlich ist es interessant. Gestützt auf eine Wohnungsverwaltungsfirma, liegen vielfältige Themen zur Erledigung bei mir. Die Verwaltung halte ich von allen rechtlichen Auseinandersetzungen mit Mietern frei, desgleichen befasse ich mich mit den häufig anstehenden Sanierungs- und Modernisierungsnotwendigkeiten bei den Gebäuden und den Wohnungen. Ich gestalte auch die Jahresabschlüsse und kläre Steuerangelegenheiten. Dann ist da noch die reine Stiftungsverwaltung, der Kontakt mit den Destinatären und die Erfüllung der Testamentsbedingungen, z.B. zum Thema, wer eigentlich berechtigter Erbe ist oder ob die Stiftung bei einer bestimmten Anzahl Destinatären aufgelöst werden muss, und wenn ja, wie das zu machen ist.

Wolfgang hat sich dagegen näher mit diesem Teil seiner Vorfahren befasst und die Erkenntnisse in seine Familienchronik eingefügt. Außerdem hat Georg Moritz in Berlin ein feudales denkmalgeschütztes Grabmal auf dem Berliner Dreifaltigskeitsfriedhof. Das ist zwar in städtischen Besitz übergegangen, dennoch verlangt das Testament, die Stiftung möge das Grabmal unterhalten. Als erstes hat Wolfgang den aufgebrochenen Sarg untersuchen und Instand setzen lassen.

Aber genug von der Arbeit, jetzt ist Zeit wieder eines der Feste genauer zu beschreiben. Wir haben einen merkwürdigen Sommer in Berlin: auf kurze sehr heiße Perioden schließen sich ein bis zwei Wochen mit viel Regen und Temperaturen um 20 Grad an. Ich berichte euch deshalb vom einzigen -beinahe- Sommerfest, das die Lollar-Connection in unserem Haus feiern konnte.