Mit den Jahren ergaben sich immer festere Traditionen für unser Fest. Unsere Berliner Freunde nannten sich die Lollar-Connection und trafen sich zu Jahresbeginn mehrfach, um die Reise zu planen, und vor allen, um ein gemeinschaftliches -Geschenk für uns zu finden. Das konnte eine ziemlich aufwendige Angelegenheit sein, wie im Beitrag „33 Feste“ zu lesen.
Wir bemühten uns, die Einladungen 6-8 Wochen vor dem Fest fertig zu machen, damit genügend Zeit für alle Planungen blieb. Nachdem wir unsere Einladungen anhand einer langen Liste verschickt hatten, erwarteten wir gespannt die baldigen Antworten. In der Regel konnten wir mit 13-15 Personen am Freitagabend und als Hausgäste rechnen. 25 bis ca. 35 waren am Samstagabend dabei. In unserem Haus gab es mittlerweile eine feste Zimmerverteilung: mein Schlafzimmer, das Schlafzimmer unserer Tochter, Bibliothek, Ankleidezimmer und Mädchenkammer waren fest vergeben. Die überzähligen Männer gingen in den Wintergarten im Untergeschoß. Und wer dann noch nicht untergekommen war, dem blieben unsere Arbeitszimmer, weniger beliebt, lagen sie doch auf derselben Ebene, auf der auch gefeiert wurde. Früh zu Bett gehen konnte man dann eben nicht, wegen der Lautstärke und wohl auch gelegentlicher Störungen durch verirrte Gäste.
Mit nur wenigen Ausnahmen fanden die Feste im März statt, eine Jahreszeit, die nicht gerade mit bestem Wetter gesegnet ist. Zumindest aber war das Getränkekühlen nie ein Problem. Kisten und Flaschen standen einfach draußen auf der Treppe zu unserem Garten. Für Bier, Saft und Wasser gab ich bei einem Getränkelieferanten eine Bestellung auf, das Bier kaufte ich auf Kommission. Es durfte auf keinen Fall ausgehen, schließlich ist auf dem Dorf am Wochenende schlecht Nachschub zu beschaffen. Wir wollten aber auch nicht auf Unmengen übriggebliebener Bierflaschen sitzen bleiben, und das Leergut musste ja auch zurück. Für ausgiebige Wein- und Sektvorräte unternahmen Wolfgang und ich einen Besuch bei einer gut bekannten Weinhändlerin mit dem schönen Namen Pfeffermann. Dort probierten wir uns durch verschiedene Rot- und Weißweine. Der Wein durfte weder zu ausgeprägt schmecken, also nix Exotisches, er sollte nicht schlagen und unsere Gäste vorzeitig ihrer Beredsamkeit oder Tanzlust berauben. Schließlich war immer damit zu rechnen, dass jeder einzelne Gast größere Mengen mehrere Tage lang zu sich nehmen würde. Auch größere Sektvorräte mussten beschafft werden, die wir angesichts unserer Lieblingsmarke allerdings nicht probieren mussten. Das mit genügend Sekt war wirklich wichtig. Bei einem der ersten Feste hatten wir uns verschätzt, so dass findige Freunde sich aufmachten, unseren Weinkeller zu inspizieren und dort den warmen, eben nicht gekühlten Champagner zu Rettung der Durstigen requirierten. Nicht dass wir ihnen den nicht gegönnt hätten, aber Champaign lauwarm ist sicher kein Genuss. Was an Wein übrig blieb, überlebte in der Regel auch nach dem Fest nicht sonderlich lange.
Nachdem die Getränkefrage weitgehend gelöst war, musste noch die Musikanlage bestellt werden. Unsere Freunde lieben Lautstärke zum Schwoof und die gab unsere fein getunte Stereoanlage nur widerwillig und nicht unbeschadet her. Also wurden leistungsfähige Lautsprecher, Steueranlage und genügend Kabel zum Anschluss von Plattenspieler, CD-Spieler und später auch Laptop beschafft. Mit der Zeit hatte ich eine Auswahl von tanzbarer Rockmusik beschafft, vielfach auf Samplern von Time Life, Kuschel-Rock, Fetenmusik usw. Wolfgang rümpfte darüber die Nase, ihm kamen nur die puristischen Originalalben ins Haus. Ich aber brauchte schnell verfügbare Musik für viele Stunden. Meist ging es mit der Tanzerei gegen 23.00 Uhr los und konnte bis gegen 4.00 dauern, ehe alle müde waren und nur noch schwätzten. Und dann war noch der Musikgeschmack unserer alten Berliner Freunde, die vornehmlich Rockmusik ab den späten 60ern bis in die frühen 80er bevorzugten. Unsere örtlichen Freunde, im Durchschnitt 15 Jahre jünger standen eher auf Disko aus den 80ern und 90ern. Beides musste schnell zur Hand sein. Vorgefertigte Spiellisten gingen gar nicht.
Ein Thema, das mich gar nicht interessierte, war Dekoration. Ich hatte genügend Geschirr und Besteck, schließlich hatten Wolfgang und ich unsere Erbstücke zusammengeschmissen, als wir ein Haus bezogen. Wir hatten bei unseren Reisen nach England Vergnügen daran gehabt, Wolfgangs Familiensilber, Robbe und Berking Spaten, um altes Spatensilber mit viel Vorlegebesteck zu ergänzen. Zur Belohnung für mein bestandenes Diplom hatte ich mein erstes richtiges Monatsgehalt in KPM Essgeschirr umgesetzt und später immer weiter ergänzt. Es gab Tischdecken für die lange Tafel, im ganzen Haus zusammengesammelte Stühle, ausreichend Gläser. Auch große Töpfe waren nach und nach angeschafft worden, und unser Keller war groß genug, um das alles zu lagern, wenn wir es nicht brauchten. Man darf nicht vergessen, unsere ersten Feste waren bei weitem einfacher konzipiert als die späteren, schließlich wurde ich immer versierter in jeder Hinsicht, was die Planung und Durchführung unserer Feste anging.
Als also alle Nebenschauplätze geregelt waren, ging es ums Essen. doch davon beim nächsten Mal mehr.
