Bereits letztes Jahr habe ich ausführlicher über unsere Leidenschaft für kalte Gegenden erklärt. Damit fing das häufige Reisen aber nicht an:
Ich habe schon an anderer Stelle erwähnt, dass mein Vater als Monteur, später als Bauleiter weltweit an der Errichtung von Stahlhütten mitgewirkt hat. Meine ganze Kindheit lang hatte ich zwar selten einen Vater in der Nähe, dafür aber Kunstgewerbe, Fotos und Briefe vor allem aus Indien vor Augen. Während meines einzigen Aufenthalts im Ausland in Italien in meiner Kindheit hatte ich früh lesen gelernt. Dazu gehörten z.B. Geschichten über ein Mädchen, das auf Java lebte, Robinson Crusoe, jede Menge Karl May. Es gab Filme im Fernsehen, „Der Tiger von Eschnapur“, „Lawrence von Arabien“ und die Western, die mein Vater bei seinen seltenen Aufenthalten zu Hause so liebte. Ich war fasziniert von den fremden Landschaften, den außergewöhnlichen Kulturen, der Schönheit alter Bauwerke. Das wollte ich alles sehen, aber mein Vater war nach Italien leider nie mehr bereit uns im Ausland dabei zu haben, z.T. sicher weil meine Mutter nicht wollte. Für kurze Ferien wollte er sich für ein Kind wie mich wohl nicht die Mühe machen. Und während seines eigenen Heimat-Urlaubs wollte er nur zu Hause bleiben. Allenfalls ließ er sich mal zu einer Reise nach Österreich bewegen.
Ich musste also warten, meine eigenen Hoffnungen, fremde Länder zu sehen, zu realisieren. Mit meinem ersten langjährigen Freund Reiner fing es an. Ich war 17, als wir mit Freunden 4 Wochen nach Schweden und über Finnland nach Norwegen fuhren, mit Zelt natürlich. Ein Jahr später fuhren wir mit einem ausgebauten VW-Bus nach Österreich, Italien (Venedig war einfach wunderbar), Monaco und Frankreich. Mein nächster Freund war nicht ganz so reiselustig, aber immerhin nahmen er und seine Eltern mich mit zum Segeln auf der Ostsee, durch den Götakanal und die schwedischen Seen. Aus Langeweile gerieten wir 1976 an einen Tauchkurs auf Mallorca, was mich ziemlich angefixte. Als ich Autofahren gelernt hatte, machten wir uns auf den Weg nach Korsika. Noch war ich also über Europa nicht hinausgekommen. Das wendete sich 1980. Ich war mit Wolfgang zusammengekommen und wir reisten nach Sri Lanka, eines der Ziele die in den Jahren zuvor bei allen esoterisch oder sonstwie hippiemäßig angehauchten Menschen hoch im Kurs stand. Und es passte wunderbar, wir konnten prima zusammen fahren. In den nächsten Jahren waren wir unbelastet genug, einige wirklich außergewöhnlichen Reisen zu unternehmen: auf die noch weitgehend unbekannten Malediven zum Tauchen, nach Ägypten und den Sinai, nach Indonesien, Kuba, den Philippinen und Palau. Wir besuchten die Nationalparks im Westen der USA und Nepal. Vielleicht finde ich ja noch einmal einen Teil der wunderbaren Fotos, die es -auf Papier- von diesen Reisen gab.
Seit 1989 belastete uns mehr Verantwortung bei unserer Arbeit, was die langen Reisen und schlecht erreichbar zu sein ausschloss. Und dann kam 1992 Hannah und veränderte die Prioritäten. Wir stellten uns also um, auf Skifahren, Cluburlaub, z.T. mit Tauchen, europäische Ferienhäuser. Erst als Hannah etwas älter wurde, sahen wir uns gelegentlich nach abenteuerlicheren Zielen um. Und nach dem Verkauf unserer Firma gab es keine Einschränkungen mehr.
Eine unserer ersten spannenden Reisen nach dieser langen Zeit führte uns in die Mongolei. Den Bericht dazu will ich euch nicht vorenthalten:
