Die Planung zum Fest anlässlich meines 50sten Geburtstages hat mir wirklich Spaß gemacht. Wie immer bei meinen runden Geburtstagen, sollte es um den 25.2. herum stattfinden. 50 Jahre alt zu werden ist schon ein Einschnitt. Unwillkürlich stellt man sich die Frage:“Werde ich jetzt alt?“, so fühlte ich mich nicht. Andererseits führte uns Wolfgangs Alter zum Nachdenken darüber, wie wir mit unserer Firma umgehen sollten, wenn wir nicht mehr arbeiten wollen/können. Und solche Überlegungen zeugen nun zweifellos von fortgeschrittenem Lebensweg.
Nun aber erstmal zur Party.
Schnell war angesichts meines Geburtsjahres klar, das es beim Motto um die fünfziger Jahre gehen sollte. Damals wie heute galt das als ein besonderes Jahrzehnt, die furchbaren Nachkriegsjahre waren vorbei, jeder wusste einigermaßen wieder, wo es langgehen musste, selbst die letzten Kriegsgefangenen kehrten zurück, es war Wirtschaftswunderzeit. Der Wohlstandsbauch war sichtbarer Ausdruck dafür, dass es den Menschen besser ging, aber auch dafür, dass der Hunger einige Jahre zuvor nicht vergessen war. Essen und Trinken war wichtig, man traute sich wieder Feste zu feiern, etwas zögerlich noch, am Besten in der Familie oder im engen Freundeskreis zu Hause. Und es war die Zeit, in der die in den letzten Kriegsjahren selbstständig gewordenen Frauen zurück in die Enge der Familie mussten, zurück an den Herd und die Windeln. Das schilderte sehr anschaulich ein Kochbuch meiner Mutter aus dieser Zeit, das die empfohlenen Verhaltensweisen für die treusorgende Hausfrau drastisch und nachdrücklich fordernd schilderte. Viele Anweisungen sind so skurril, dass ich sie zur Belustigung meiner Gäste ausdruckte und an die Wände hängte. Ich möchte Euch die ausgewählten Texte nicht vorenthalten.














Die Einladung hatten Wolfgang und ich diese Mal gemeinsam verfasst und natürlich auf meinen besonderen Geburtstag verwiesen.

Wegen des besonderen Anlasses hatte ich einige Freunde mehr als sonst eingeladen. 16 Gäste hatten für das ganze Wochenende zugesagt, 25 für die Fete am Samstagabend. Es galt also wieder, ein Buffet für 40-45 Personen zu präsentieren und das im Stil der 1950iger Jahre. Ideen für Gerichte waren schnell gefunden, Mettigel, Fliegenpilztomaten, Käsehäppchen, russische Eier, Kompott aus der Dose usw. Aber bei der Vorstellung, mit den damals üblichen Fertigprodukten und Konserven zu kochen, wollte sich so gar kein Appetit einstellen. Und die Rezeptbücher aus der Zeit ließen auch keine genüssliche Vorfreude aufkommen. Damals waren eben selbst Dosenspargel eine Delikatesse.
Aber schließlich kann ich ja kochen. Und so fing ich an, mir zu den typischen 50iger Jahre Gerichten Zubereitungen auszudenken, die dem heutigen Geschmack entsprechen. Probekochen musste ich dazu nicht, aber natürlich alle Rezepte neu verfassen. Schließlich kam folgende Speisenfolge zusammen:

Es wurde ein grandioses Buffet mit vielen Überraschungen und unerwarteten Entdeckungen.
Natürlich kann man die meisten Gerichte kurzfristig zum baldigen Verzehr herstellen. Um alles in großer Menge zum Fest bereit zu haben, bereitete ich alles so frühzeitig vor, wie es ging. Wieder hatte ich nur am Freitagvormittag unsere Haushälterin zur Hilfe und Samstagabend von 18.00 bis 19.30 Uhr die übliche gut gelaunte und wild drauf loskochende Küchenbrigade, in Schwung gehalten durch das ein oder andere Glas Sekt.
Der Zeitplan fürs Kochen sah so aus:
Irgendwann
- Ochsenschwanzsuppe kochen und einfrieren
Donnerstag
- Pfefferpotthast kochen, das hatte ich als Abendessen für die Hausgäste am Freitag vorgesehen, Pellkartoffeln, Gewürzgurken, Silberzwiebeln, eingelegte Rote Bete und einen grünen Salat dazu servieren.
- Rehrücken braten und kühlen
- Tutti Frutti zubereiten
- Rumkugeln zubereiten
Freitag
- Schinkenröllchen zubereiten
- Creme für die Tomatenkörbchen anrühren
- Gemüse putzen für die Paprikaecken
- Zutaten für den Toast Hawaii (mit Ausnahme des Brotes) verwendungsfähig vorbereiten
- Zutaten für die Cocktailspieße vorbereiten
- Rehrücken aufschneiden und anrichten
- Doppeldecker zubereiten, kühlen
- Teufelssalat zubereiten
- Zutaten für das Heringshäckerle würfeln
- Eier für die gefüllten Eier kochen und pellen
Samstag
- Tomatenkörbchen fertigstellen
- Paprikaecken fertigstellen
- Heringshäckerle fertigstellen
- Bohnensalat zubereiten
- Schillerlocken zubereiten
- Käsebrote zubereiten
- gefüllte Eier fertigstellen
- Suppe erhitzen
- Toast Hawaii fertigstellen
- alles anrichten
Während des Festes
- Drinks mixen
Bis auf die Suppe und die Toast Hawaii sind die Speisen kalt, aber das gehört auch in die fünfziger Jahre. Anders als sonst sollten anstatt Brot eher Cräcker in vielfältiger Form, fertiges Käsegebäck oder vielleicht auch eine Sonne aus Minibrötchen auf dem Buffet stehen.
Für die Drinks sind Eiswürfel vorzubereiten, ich hatte mit nicht mehr als allenfalls 30 Drinks gerechnet und habe die mit zwei Mixbechern geschüttelt, als die Gäste beim Nachtisch angekommen waren. Die dazu erforderlichen Spirituosen, jeweils eine Flasche, haben wir später nach dem Fest geleert. In einen Mixbecher passen jeweils die Zutaten für 3 Drinks und Eis.
Für ein 4 Personenabendessen kann man z.B. ein Viertel einer Vorspeise mit Gemüse (Bohnensalat, Tomtenkörbchen, Paprikaecken) und ein Viertel einer anderen Vorspeise kochen. Dazu gibt es dann für jeden ein bis zwei normale Toastscheiben für Toast Hawaii, Fleisch und Käse dünn geschnitten, eine halbe Ananas, die restlichen Mengen angepasst, oder ein Drittel der Ochsenwanzsuppe. Den Rehrücken für wenige Personen zuzubereiten wird sich eher nicht anbieten.
Und hier sind nun die Rezepte







