Reisen ins Eis

Da sitzen wir nun mitten im Sommer in Berlin, geplagt von immer wieder ansteigenden Temperaturen bis nahe 40 Grad und sogenannten tropischen Nächten, in denen die Temperatur auch nicht unter 20 Grad sinkt. Die Masken, die wir wegen der Corona-Pandemie in Innenräumen, in Taxis, Arztpraxen usw. immer noch tragen, machen das Atmen in der Hitze nicht gerade leichter. Aber wir sind weiter vorsichtig, auch wenn sonst keiner mehr Angst vor Covid hat, und das bei offiziellen Inzidenzen um 700, bei denen ja nur die registrierten positiven Testergebnisse gezählt werden. Die Dunkelziffer muss sehr hoch sein, denn viele machen einfach zu Hause einen Schnelltest. Ist nur zu hoffen, dass sie auch allein zu Hause bleiben, wenn sie infiziert sind.

Wir gehen immerhin wieder auf Reisen, wenn auch mit deutlichen Einschränkungen. Chaos an den Flughäfen mit vielen ausgefallenen Verbindungen macht eine Pauschalreise empfehlenswert, bei denen ein Veranstalter für Flüge, Hotel, Kreuzfahrt und alles andere sorgt. Corona wiederum passt nicht mit unseren eher exotischen Rundreisen in fernen Ländern zusammen. Was sollten wir tun, wenn es uns erwischt, wir aber alle 2 Tage das Hotel wechseln müssen, in einer Reisegruppe unterwegs sind und uns überdies nicht mit den Einheimischen verständigen können.

Unnütze, verbrecherische Kriege schließlich versperren uns den Weg in Länder, die wir eigentlich gern besuchen wollten: Teile Russlands, die wir noch nicht kennen, Länder im nahen Osten, in Osteuropa, ehemalige Sowjetrepubliken, Gegenden in Südamerika und Südostasien.

Also haben wir uns dieses Jahr an Europa und die westliche Welt gehalten mit einer Reise nach Madeira und anschließenden Kreuzfahrt zu den Azoren auf einen kleineren Expeditionsschiff. Im Frühsommer sind wir mit dem Mietauto durch die Bretagne gefahren. Und im Indian Summer besuchen wir Nova Scotia, Kanada und die Neuenglandstaaten von Boston aus.

Bis dahin aber träumen wir uns zurück in die Kälte. Mittlerweile haben wir einige Reisen in die Polargebiete unternommen und haben uns verliebt. Die Landschaften, die Tierwelt, das Licht und das Eis, die Zivilisationsferne und auch das im Hintergrund immer schwebende gefährliche Abenteuer begeistern uns und rufen uns immer wieder zu einer Wiederholung auf. Dieses Jahr wurde unsere geplante Reisen ins Nordmeer abgesagt. Wir hatten vor, Franz-Josefs-Land zu besuchen. Von Tromsö Norwegen aus sollte das Schiff nach Murmansk gehen und dann über Nova Semlaja in die Russische Arktis aufbrechen. Auch eine Reise im nächsten Jahr von Otaru, Japan über die Kurilen, Kamschatka und die Beringsee nach Kanada und Alaska ist schon gestrichen.

Wie aber hat unsere Liebe zu eisigen Gegenden begonnen? Eigentlich mochte ich Kälte überhaupt nicht. Schnee und Eis kannte ich – solange wir in unserer Firma arbeiteten – nur aus dem Skiurlaub. Und da stand die sportliche Betätigung ja im Vordergrund. Für einige Stunden am Tag konnte ich, dick eingemummelt, warm gehalten durch die ungewohnte Bewegung, der Kälte stand halten, bis zur Einkehr in die nächste Hütte. Und bei schlechtem Wetter gingen wir gar nicht auf den Berg.

Außerdem standen bei unseren Reisen Menschen im Vordergrund, ihre Lebensart, ihre Geschichte und Kultur, ihre Hinterlassenschaften aus früheren Jahrhunderten oder auch Jahrtausenden. Selbst, wenn wir Hannah zu Liebe in einen Klub fuhren, war die Begegnung mit Menschen Teil unseres Urlaubsvergnügens. Neben Reisen in europäischen Ländern hatten wir unsere Ziele in Asien, Amerika, Nordafrika gesucht. Um allerdings nach der Aufgabe unseres Arbeitslebens nicht in Langeweile oder gar eine Depression wegen der weggefallenen Alltagsstruktur, der Bestätigung durch Erfolge und den engen täglichen Kontakten mit vielen Menschen abzusinken, hatte ich ein verschärftes Reiseprogramm aufgelegt. 2011 reisten wir neben 2 Tauchurlauben in Ägypten und der jährlichen Weihnachtsfahrt nach Amrum im Februar nach Vietnam und im Sommer für 6 Wochen nach Hawaii. Im November machten wir unserem Freund Hans zu Liebe eine erste Schiffstour mit Hurtigruten nach Norwegen. Schiffe waren zuvor eigentlich nicht so unser bevorzugtes Transportmittel, schließlich hat Wolfgang mit Seekrankheit zu kämpfen. Sein Bruder Lutz hatte ihm jedoch ein englisches Medikament gegen Reisekrankheit beschafft, Stugeron. Es wirkte gut, macht ein bisschen müde und Alkohol ist verboten, solange man es nimmt. Aber Alkohol und Seekrankheit vertragen sich ohnehin nicht. Trotz des Sturms, den wir erlebten, der wenigen Stunden Tageslicht und der ausgefallenen Anlandungen, fanden wir das Leben auf einem kleineren Kreuzfahrtschiff gar nicht so schlecht. Angeregt durch die Hurtigroutenprospekte an Bord, planten wir deshalb für das nächste Jahr eine Hurtigroutenkreuzfahrt nach Grönland.

Und das war sie, unsere erste Begegnung mit einem Land, das von -Gletschern bedeckt ist, einem Meer auf dem Eisberge schwimmen, niedrigen Temperaturen trotz Sonne im Sommer und menschenleeren Gegenden. Natürlich war die Reise von Hurtigrouten geprägt von dem Besuch kleiner Dörfer und auch dort der Begegnung mit den einheimischen Menschen. Aber uns war sehr bewusst, wie groß Grönland ist, und das nur ca. 50.000 Grönländer kaum eine nennenswerte Besiedlung schaffen. Schon diese Reise war toll und sie brachte uns die Erkenntnis, dass wir uns auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff durchaus wohl fühlen. Wenn also ein Reiseziel am Besten mit dem Schiff zu erreichen ist, konnten wir das nun angehen. Und so überredete ich Wolfgang, mit mir im nächsten Jahr mit einem Schiff in der Südsee zu reisen. Sein Kommentar war, aber nun nicht „immer“ Luxusreisen per Schiff zu machen, und ich versprach, ein Schiff nur dann in Betracht zu ziehen, wenn das die beste Möglichkeit ist, das ausgesuchte Reiseziel zu sehen.

Nun ja, jetzt standen wir also auf der Liste potentieller Kunden von Hapag Lloyd Cruises und kamen in den Genuss vielfältiger Werbeprospekte und Kataloge. Und so erhielten wir eines Tages ein Faltblatt zu einem Geburtstagsangebot: Wer einen runden Geburtstag habe, reise mit einer vollzahlenden Begleitperson umsonst in den fernen Osten Russlands. Und wenn eine Verlängerung um weitere 14 Tage möglich ist, bekämen beide für die anschließende Tour ins Ochotskische Meer 25% Rabatt. Dazu beschaffte uns unsere damalige Reisebüromitarbeiterin für den Hinflug noch Freiflüge erster Klasse aus unserem Meilenkonto. Der Rückflug war ein Sonderflug und bereits mit der Kreuzfahrt abgedeckt. Wolfgang wurde zufälligerweise 70. Und so konnten wir nicht widerstehen. Russlands ferner Osten, Meereis im Ochotskischen Meer, Vulkane auf Kamtschatka, all das klang so exotisch. Was wir auf dieser Reise erlebten, hatte uns nun endgültig begeistert: Anlandungen mit Schlauchbooten an menschenleere, wilde Strände, natürlich nur, wenn die Eisdecke auf dem Meer es erlaubte. Wir sahen eine überbordende Tierwelt, Vögel, Robben, Seeelefanten, Bären, Wale. Die schneebedeckten aktiven Vulkane auf Kamtschatka waren ebenso faszinierend, wie die endlosen Wälder rund um die wenigen kleinen Ansiedlungen.

Von da an standen arktische Orte, natürlich neben anderen Zielen, immer wieder auf unserem Reiseplan. Wir besuchten außer Grönland und Russisch Fernost, Nordkanada, Alaska, Spitzbergen und schon zweimal die Falklands, Südgeorgien und die Antarktis. Und Wolfgang hat dazu hinreißende Reiseberichte geschrieben, hier folgen die Links dazu für alle, die Interesse haben, unsere Reisen näher kennen zu lernen.

Grönland 2012

https://www.dropbox.com/s/ltky83h3pwd9tmf/Gr%C3%B6nland%202012.07.%20Gr%C3%B6nland.pdf?dl=0

Russlands ferner Osten 2014

https://www.dropbox.com/s/ddssl3oj9fasqcy/Russland%202014.05.%20Russland.pdf?dl=0

Antarktis 2015

https://www.dropbox.com/s/1uoxh1yopvtbrz3/Antarktis%202014.02.%20Antarkis.pdf?dl=0

Alaska 2017

https://www.dropbox.com/s/j7hqaqep4juzgxu/Arktis%202017.05.%20Alaska.pdf?dl=0

Arktis/Kanada und Grönland 2018

https://www.dropbox.com/s/udbu1unjnsyp9ke/Arktis%202018.08%20Arktis.pdf?dl=0

Spitzbergen 2019

https://www.dropbox.com/s/auj8no5tomemgv8/2019.06.%20Spitzbergen.pdf?dl=0

Antarktis 2020

https://www.dropbox.com/s/n24eduk3zzo9rov/Antarktis%202020.02.%20Antarktis.pdf?dl=0